
Der Nabel der Schachwelt befindet sich derzeit nicht unweit von Vorarlberg im schweizerischen Biel, ca. 230 km jenseits der Ländlegrenzen an der deutsch-französischen Sprachgrenze im Schweizer Kanton Bern. Wie jeden Sommer wird in Biel das Internationale Schachfestival mit Weltklassebeteiligung gespielt, heuer bereits das 45-zigste. Im Mittelpunkt des Interesses steht das Grandmasterturnier mit Magnus Carlsen (derzeit Nr. 1 der Welt), Wang Hao, Anish Giri, Hikaru Nakamura, Etienne Bacrot und Ersatzmann Victor Bologan, der für den erkrankten Alexander Morozevich eingesprungen ist. Aber auch das Meisterturnier mit mehr als 30 Int. Großmeistern hat es in sich.
Nachdem man im Hause Hofer die letzten Jahre das Großevent eher von der Ferne beobachtet hat, war es heuer soweit: Stephan und Emilian ließen es sich an diesem Wochenende nicht nehmen, die Kämpfe der Meisterspieler aus der Nähe zu beobachten. Das Bild links zeigt Hikaru Nakamura (USA) bei seiner samstägigen Partie (Runde 6) gegen Magnus Carlsen (NOR). In Führung ist 4 Runden vor Schluss der Chinese Wang Hao vor dem niederländischen Jungstar Anish Giri. Gezählt wird übrigens wie im Fußball, ein Remis bringt einen Punkt, ein Sieg aber gleich 3!
Am Sonntag, dann Emilians Premiere in Biel: selbst noch U14 Spieler, beteiligte er sich in der Kategorie U18 (Jahrgänge 1994-98) und sorgte bei diesem Schnellschachturnier (je 15 Minuten pro Partie) mit 6 Punkten aus 7 Partien für einen österreichischen Sieg, mit Sicherheit dem einzigen bei diesem Schachfestival, denn bei Durchsicht der Teilnehmerlisten machen sich österreichische Teilnehmer sehr rar. Während in den 80-er und 90-er Jahren für einzelne Spieler, vor allem aus Vorarlberg, Biel ein fixer Bestandteil des Sommerschachprogramms war, wird die Schweiz vermutlich auf Grund des extrem hohen Preisniveaus inzwischen gemieden. Auch Vorarlbergs Spieler konzentrieren sich auf die österreichische Schachopen-Szene, welche sich vorwiegend auf die östlichen und südlichen Bundesländer konzentriert. So ist Emilian (Bild rechts in der Mitte mit Siegerpokal) schon ab morgen bei den 10. EU Jugendmeisterschaften im steirischen Mureck am Start. Ein Turniersieg in Biel - auch in der Jugendklasse - ist jedenfalls etwas ganz besonderes und sollte Flügel wachsen lassen. Herzliche Gratulation und alles gute für Mureck!
Jugendturnier BielGM-Turnier (mit Live-Übertragung)EU-Jugendmeisterschaften U14LIVE-Partien (ab 15.00 Uhr)
Georg Fröwis wird in Zwettl zwar von dem neuen Staatsmeister GM David Shengelia entthront, bestätigt mit der Bronzemedaille aber seine derzeit exzellente Form und auch, dass der letztjährige Titel kein Zufall war. Die direkte Begegnung mit Shengelia (Bild) in der 7. Runde brachte die Vorentscheidung zu Gunsten des für den SK Baden spielenden einzigen Großmeisters im Feld der 58 Teilnehmer. Georg verlor im Mittelspiel den Faden suchte sein Heil aus etwas schlechterer Stellung in aktivem Spiel und lief damit seinem Gegner direkt ins Messer. Eine große Stärke Georgs bestätigte sich darauf ein weiteres mal, Niederlagen perlen an ihm ab als wäre nichts geschehen. Schon am nächsten Tag setzte er mit schwarz gegen IM Neubauer alles auf eine Karte und gewann, wenn auch glücklich. Auch in der letzten Runde konnte er seinen Gegner Herwig Pilaj diesmal mit Geduld, stehts auf der Lauer nach einem Fehler im Schwerfigurenendspiel überraschen.
Eine gute Leistung bot auch Luca Kessler mit 5 Punkten aus 9 Partien. Schade war es um die Partie der 8. Runde gegen IM Gerhard Schroll, die Luca mit schwarz sehr überzeugend spielte und über weite Strecken sogar Druck ausüben konnte. Am Schluss war die Stellung ausgeglichen doch sah Luca eine Verlustvariante und gab die Partie völlig unnötig auf. Allerdings scheint auch Luca die wichtige Eigenschaft zu haben, verlorene Partien, gleich wie die Niederlage zustande kam, schnell abhaken zu können, denn in der letzten Runde setzte er gleich noch eins drauf und durfte aus Zwettl doch noch einige gewonnene ELO-Punkte mit nehmen.
Die weiteren Vorarlberger, Fabian Matt (Wolfurt) und Rainer Bezler (Lustenau) blieben eher unauffällig im Mittelfeld, wobei es Rainer Bezler in der zweiten Runde in Zeitnot verpasste, in einer hoch gewonnen Stellung gegen seinen früheren Klubkollegen Georg Fröwis den Sack zuzumachen.
Bei den Frauen gewann überraschend nicht Favoritin IM Eva Moser sondern Anna-Christina Kopinits. Annika Fröwis (Bregenz) machte es ihrem Bruder nach und gewann ebenfalls Bronze. Helene Mira (Bregenz) belegte Rang 4. Die Glückwünsche der Vorarlberger Schachfans gehen an die Familie Fröwis, die mit zwei Bronzemedaillen allen Grund zum Feiern hat.
Eine zahlenmäßig recht kleine Hohenemser Abordnung fuhr heuer zum Jedesheimer Jugendopen nach Illertissen: Emilian Hofer (er spielte das Turnier allerdings für seinen deutschen Klub, Gastgeber SV Jedesheim), Linus Lukas (U10) und Carmen Platisa (U8). Trotzdem wanderte wie schon in den Vorjahren zumindest 1 Siegerpokal wieder nach Hohenems. Dafür sorgte in ihrem erst sechsten Turnier die 7-jährige Carmen Platisa. Sie spielte in der gemischten U8/U10 Gruppe und holte sich mit 4 Punkten aus 7 Partien die U8 Wertung. Auch Linus Lukas, der erstmals nicht mehr in einem Beginnerturnier spielte, zeigte eine sehr starke Leistung und holte 4 von 7 möglichen Punkten, was den 17. Rang bei 41 Teilnehmer/innen bedeutete. Emilian Hofer spielten nach dem U14-Sieg vom letzten Jahr freiwillig eine Klasse höher und landete mit 4,5 aus 7 im 4. Schlussrang. Bild: Carmen Platisa greift gerade nach ihrem Königsspringer um dem König den Weg zur Rochade frei zu machen.
Großer Erfolg für den erst 15-jährigen Luca Kessler bei den Europameisterschaften im Schnellschach im bosnischen Banja Vrucica. Vorarlbergs derzeit größtes Nachwuchstalent mit Wohnsitz in Dornbirn holt erstmals in der Geschichte des Vorarlberger Schachsports Edelmetall bei einer Europameisterschaft. Nach 9 Runden in denen er 7 Punkte erkämpfte, musste er nur dem Esten Ottomar Ladva (7,5) den Vorzug lassen. Dritter wird der Russe Andrei Matsenko (6,5). Luca verhaute lediglich den Start, holte dann aber beeindruckende 7 aus 8 und stand am Ende auf dem Siegespodest.
Weitere Medaillen für Österreich gab es durch Anna-Lena Schnegg (Silber beim Blitzschach Mädchen U14) und Lisa Hapala (Bronze Schnellschach Mädchen U18)
Luca wird in den Sommerferien ein umfangreiches Turnierprogramm absolvieren. Bereits ab kommenden Samstag ist Luca zusammen mit Georg Fröwis bei den Österreichischen Meisterschaften in Zwettl am Start. Hier die Teilnehmerliste des mit einem GM und 13 IM's stark besetzten Turniers. Vom 16. bis 26. August folgen dann die Europameisterschaften 2012 in Prag.
Anfang November wird Luca Kessler dann sein Debüt in der 1. Bundesliga für seinen neuen Verein SK Hohenems geben. Die Vorarlberger Schachfans können diese Runden hautnah im Löwensaal Hohenems mitverfolgen.
In einer 9-rundigen Hitzeschlacht am bisher heißesten Wochenende des Jahres behielt Obmann Reinhard Kuntner (Bildmitte) mit 8 Punkten knapp die Oberhand vor Emilian Hofer (links) und Vincent Nussbaumer (rechts). Der letzte Klubmeistertitel von Reinhard Kuntner liegt schon ein halbes Menschenleben zurück und wurde im Jahre 1977 errungen. Zehn Spieler trotzten der Tropenhitze im Stadion, wurden dann aber bei der anschließenden Grillparty entschädigt. Wie die Seitenblickeredaktion bekannt gibt, wurden beim traditionellen Saisonabschluss unter anderem gesehen: Valery Atlas, Dmitry Atlas mit Alisa und Daniel. Rene, Agnes und Pascal Levy, die Schacholympioniken Julia und Milan Novkovic, die Nussis inkl. EM-Teilnehmer Patrick, Maturajubilar Dr. Christoph Nussbaumer sowie Family-Managerin Maria, Rühmut, Mag. Stephan, Gesine und Emilian Hofer, Gudrun, Kurt und Julian Kranzl, Murat Bas und seine Familie, Norbert Bischof mit Gattin, Petra und Zeljko Platisa mit Carmen (inkl. gelbem Karategürtel), Helmut Cyris, Ferdl Tschabrun, Anderas Kezic, die frischgebackenen Cupsieger Guntram Gärtner und Robert Sandholzer sowie die fleißigen Mithelfer Edith und Armin Kuntner sowie Sigi Mathis. Bild v.l.n.r.: Emilian Hofer, Reinhard Kuntner, Vincent Nussbaumer