

Mitglieder der jüdischen Gemeinde Hohenems spielten in den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts gemeinsam mit Nicht-Juden beim Schachklub Hohenems. Der Schachklub Hohenems besann sich seiner historischen Wurzeln und seiner multi-ethnischen Gegenwart und veranstaltete zusammen mit dem Jüdischen Museum Hohenems ein Schach-Event der Extraklasse.
Das Blitzturnier gewannen gemeinsam Ed Rozentalis und David Baramidze (5 aus 7) vor Arik Braun (4,5 Punkte). Bericht unter <weiter>.
Powerpoint Präsentation
Schach im Jüdischen Museum ist eigentlich nichts Neues, das gab es schon in Wien, Berlin und sicher auch schon anderswo. Erstmals Schach präsentiert wurde hingegen am 11. März 2008 im Jüdischen Museum in Hohenems. Dass dies am einem besonderen Gedenktag geschah nämlich am Vorabend des 70. Jahrestages des Einmarsches von Nazitruppen in Österreich war eher Zufall, verlieh dem Event aber eine besondere Note. (Bild: links Hanno Loewy, Direktor des JMH, rechts Reinhard Kuntner, Initiator des Abend bei der Begrüßung)
Mit dem Anschluß Österreichs an Hitlerdeutschland im März 1938 erlosch beim Schachklub Hohenems für lange Zeit das freundschaftliche Zusammenwirken jüdischer und nicht-jüdischer Mitglieder. Freilich gab es mit Dr. Franz Pilpel im März 1938 nur mehr ein jüdisches Mitglied im Verein, Franz Pilpel spielte jedoch in den dreißiger Jahren eine zentrale Rolle im Verein und auch daran soll erinnert werden, er war auch für zwei Jahre von 1936-1938 Funktionär des Vorarlberger Schachverbandes.
Bereits kurz nach dem Gründungsjahr 1926 nach ein, zwei Jahren der Gründungseuphorie bedingt durch die um sich greifende Not und die sich anbahnende Weltwirtschaftskrise liess das Interesse am Schach rasch nach und die Mitgliederzahl sank deutlich ab. In dieser Situation war es geradezu ein Glücksfall, das Dr. Franz Pilpel (verm. im Jahre 1929) von Wien nach Hohenems übersiedelte, wo er bei den Neudörfer-Rosenthal Textilwerken eine leitende Anstellung fand. Franz Pilpel war schon in Wien ein leidenschaftlicher Schachspieler und mit seiner Begeisterung riss er offensichtlich seine Kollegen mit, eine nachhaltige Entwicklung der Schachkultur setze in Hohenems ein. Dabei spielte auch seine materielle Unterstützung des Vereins eine entscheidende Rolle. Aus dem Jahre 1929 ist ein Fernwettkampf Hohenems gegen den Schachklub Alt-Wien vermerkt, der auf Initiative von Franz Pilpel zustande kam. Bregenz galt zu jener Zeit als unschlagbar, doch durch großen Einsatz u.a. mit auswärtigen Trainern gelang 1935 auch das Kunststück, Bregenz in einem Wettkampf zu bezwingen. Mit dem März 1938 endet das Wirken Franz Pilpels in Hohenems abrupt und seine Spur verliert sich.
Der zweite jüdische Mitbürger, der Anfang der dreißiger Jahre - wenn auch nur für zwei Jahre als Mitglied vermerkt ist, ist Hary Weil. Über Hary Weil ist im Jüdischen Museum wesentlich mehr bekannt und Direktor Hanno Loewy zeichnete seinen Lebensweg vor und nach dem Krieg nach. Hary Weil war ein Multitalent, aber vorwiegend verschrieb er sich der Musik, weshalb seine Mitgliedschaft im Verein nur von relativ kurzer Dauer war. Haryt Weil gelang es, dem Holocaust zu entkommen, er liess sich in den USA nieder, wo er auch nach vergeblichen Rückkehrversuchen nach Hohenems nach dem Krieg bis 1970 lebte. Hary Weil liegt auf dem Jüdischen Friedhof in Hohenems begraben.
Das Ende des multiethnischen Schachklubs Hohenems bedeuteten die Ereignisse im Frühjahr 1938 keineswegs, wenngleich es mehr als 50 Jahre dauern sollte, bis wieder Mitglieder mit jüdisch ethnischer Herkunft gemeinsam mit Angehörigen anderer Ethnien Wettkämpfe in den verschiedenen Ligen von der 1. Bundesliga bis in die Vorarlberger Landesliga bestreiten.
Dem Gedenken an die Zeit vor 1945 folgte eine Vorstellung der Bundesligamannschaft des SK Hohenems und ein aktueller Ausblick auf die unmittelbar bevorstehenden Schlußrunden der Bundesliga in Graz an dem ganz in der Tradition des "alten Hohenems" ein multiethnisches Team drauf und dran ist einen Spitzenplatz zu erringen.
Der eigentliche Zweck des Abends war jedoch, den heimischen Schachfans ein Blitzturnier der Spitzenklasse zu präsentieren. Im Anschluß an die Präsentation spielten sieben Spitzenspieler des SK Hohenems und die Nummer 1 des Vorarlberger Nachwuchsschachs, Georg Fröwis ein 7-rundiges Blitzturnier, welches an Spannung nichts zu wünschen übrig liess. besonders Georg Fröwis überraschte ordentlich und mischte das Feld gehörig auf. Aufmerksame Beobachter waren unter anderem neben Museumsdirektor Hanno Loewy, Bürgermeister Richard Amann, Vizebürgermeisterin und Sportstadträtin Monika Reis sowie der Präsident des ASVÖ Vorarlberg Ing. Hans Ludescher.
Resultat Blitzturnier:
| Rg. | Name | ELO | Nat. | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | Pkt. | SB | Res | Siege |
| 1 | Baramidze David | 2582 | GER | * | r | r | 0 | 1 | 1 | 1 | 1 | 5 | 13,75 | 0,5 | 4 |
| 1 | Eduardas Rozentalis | 2567 | LTU | r | * | 0 | r | 1 | 1 | 1 | 1 | 5 | 13,75 | 0,5 | 4 |
| 3 | Braun Arik | 2536 | GER | r | 1 | * | 1 | 1 | 0 | 0 | 1 | 4,5 | 16,50 | 4 | |
| 4 | Fröwis Georg | 2223 | AUT | 1 | r | 0 | * | 0 | 1 | 1 | 1 | 4,5 | 13,00 | 4 | |
| 5 | Novkovic Milan | 2413 | AUT | 0 | 0 | 0 | 1 | * | r | 1 | 1 | 3,5 | 8,50 | 3 | |
| 6 | Atlas Valery | 2473 | AUT | 0 | 0 | 1 | 0 | r | * | 1 | r | 3 | 8,25 | 2 | |
| 7 | Gärtner Guntram | 2328 | AUT | 0 | 0 | 1 | 0 | 0 | 0 | * | r | 1,5 | 5,00 | 1 | |
| 8 | Atlas Dmitry | 2299 | LIE | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | r | r | * | 1 | 2,25 | 0 |
