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Die Alpenfestung ist gefallen! Ab dem Spieljahr 2007/08 gibt es in den Bundesligen keine Ausländerbeschränkung mehr. Der Schachklub Hohenems unterstützte diese Entwicklung von Anfang an und begrüßt die Entscheidung des ÖSB als richtigen und der politisch, rechtlichen Situation in der EU Rechnung tragenden Schritt.

Wie kam es dazu? Eigentlicher Auslöser war eine Gruppe von Vereinen der 1. Bundesliga unterstützt von der Mehrheit der Vereine der 2. Bundesliga-Mitte und -Ost, die nach jahrelangen vergeblichen Bemühungen im heurigen Frühjahr bei der Sitzung der Bundesligakommission mit knapper Mehrheit eine Verschärfung der Ausländerbeschränkungen durchbrachten. Ab 2007/08 sollte es 4 (Österreicher) plus maximal 2 (Ausländer) heissen, statt der bisherigen Formel 3 plus 3.

Das wiederum rief die andere Hälfte der 1. Bundesliga-Klubs und vor allem die Vereine der 2. Bundesliga-West auf den Plan. Der Widerstand formierte sich und gipfelte in dem Schreiben des Inter Salszburg Obmanns Arnold Endthaler an den ÖSB, unter Klagsdrohung also mit rechtlichen Schritten gegen den ÖSB vorzugehen, sollte die offenkundig EU-rechtswidrige Beschränkung nicht aufgehoben werden. Schon war die Rückkehr zur alten Formel 3+3 kein Thema mehr, wenn schon, dann sollte die neue Regelung den geänderten Rahmenbedingungen des EU-Rechts im vollen Umfang Rechnung tragen. Das konnte nur bedeuten, dass EU-Bürger und Bürger von Ländern, die mit der EU Assoziierungsabkommen abgeschlossen haben, österreichischen Staatsbürgern gleichgestellt werden müssen.

Eine noch nie dagewesene Diskussionswelle erfaßte das Land, der ÖSB lud kurz vor der Sommerpause zu einer Konferenz nach Leoben. Die Entscheidung wurde zwar vertagt und eine Kommission eingerichtet, immerhin einigten sich die Kontrahenten darauf, von einer gerichtlichen Auseinandersetzung vorerst abzusehen.

Der ÖSB mit Präsident Prof. Kurt Jungwirth an der Spitze klärte die Situation mit den zuständigen Stellen in Brüssel ab und traf letztlich mit einer Mehrheit von 6:2 Bundesländern (1 Enthaltung) die Entscheidung, jedwede Ausländerbeschränkung für die Bundesligen ab der kommenden Saison 2007/08 aufzuheben.

Dank und Anerkennung gebührt in dieser Angelegenheit vor allem Arnold Endthaler, der sich nicht scheute, dieses brisante Thema aufzugreifen, damit eine Diskussion und Entscheidung erzwang und sich dabei auch unqualifizierten Anfeindungen aussetzte. Anerkennung verdient aber auch der ÖSB und hier vor allem Präsident Kurt Jungwirth und Generalsekretär Walter Kastner, denen die Entscheidung sichtlich nicht leicht gefallen ist.

Den Gegnern der Freigabe sei gesagt, daß die Liberalisierung NICHT gleich zu setzen ist mit einem allgemeinen Aufruf, nun möglichst rasch alle Österreicher in den Bundesligen aus den Kaderlisten zu eliminieren. Was geschehen ist, ist im wesentlichen eine Verlagerung von Verantwortung in die Vereine. Und hier gibt es eigentlich keinen Grund, dass uns Bange sein müßte. Die überwältigende Mehrheit der Vereine haben gesunde Strukturen, können und wollen auf österreichische Spieler zurückgreifen, die auch weiterhin die Basis der Bundesligateams bilden werden. Und Hand aufs Herz, wer hat denn wirklich ein Problem damit, wenn ein Grenzverein wie Ach/Burghausen in der 2. BL-West mit 5 oder auch 6 Deutschen spielt?

Wir befürchten auch nicht, dass es künftig an Motivation für die eigene Nachwuchsförderung fehlen wird, wenn sie fehlt, dann aus anderen Gründen und dann hat sie mancherorts schon in der Vergangenheit gefehlt.

Verstärkte Anstrengungen des ÖSB, den österreichischen Nachwuchs zu fördern sind zu begrüßen, von Zwangsmaßnahmen die als Retourkutsche ausgelegt werden könnten, sollte der ÖSB aber dringend absehen. Wenn der ÖSB seine ohnehin geringe finanzielle Unterstützung der Ligen nun streichen will, dann ist das seine Sache, für Kindesweglegung bestünde aber kein Anlaß.

Kurz und gut, begraben wir nun die Kriegsbeile, nehmen wir als Vereine die gewachsene Verantwortung wahr. Diese Verantwortung sollte so verstanden werden, daß bei allem Streben nach sportlichen Erfolgen und Spitzenleistungen vor allem eine Verpflichtung besteht, für die Menschen in den Regionen und zwar unabhänging von deren Nationalität gute Rahmenbedingungen für die Ausübung unseres unvergleichlichen Schachsports zu schaffen.

Link: Schreiben des ÖSB