Das kommt davon, wenn der Coach und Schreiber dieses Spielberichts selbst ans Brett sitzt. Die nebenstehende Stellung ergab sich in der Partie Kuntner - Heubusch nach dem 31. Zug von Weiss. Schwarz zieht und setzt Matt ! Kurzer Test und Hand aufs Herz, wie lange brauchst Du, um das Matt zu sehen, 2 Sekunden, 5, 10 oder mehr ? Mein Gegner zog 31. Te3+ und lies mich noch etwas länger im Mattnetz zappeln. Nach 31. Td4++ wäre es sofort aus gewesen. Wahrscheinlich wollte Heubusch noch ein bischen Spaß haben. Dabei war 3 Züge vorher die weisse Stellung noch völlig in Ordnung, ja sogar leicht vorteilhaft. Ich denke ich werde mit dieser Partie beim Schachtherapeuten in der Hall of Shame einen Ehrenplatz erhalten.
Das Wochenende stand insgesamt unter keinem guten Stern. Höhere Gewalt hinderte zunächst Guntram Gärtner am Freitag, die Reise nach Rum wie geplant anzutreten, auf die Schnelle war kein Ersatz mehr zu finden. Also war in der Begegnung mit Dornbirn von Beginn an schon ein Punkt weg. Das unerwartete Fehlen eines Kollegen wirkte sich dann auch nicht gerade förderlich auf die Verfassung der anderen Spieler aus. Heinz Grabher erwischte einen rabenschwarzen Tag und stellte gegen Markus Natter eine Figur und in weiterer Folge die Partie ein. Auf Brett 1 gab es das Partnerduell Julia gegen Milan Novkovic, das Remis endete. Auf Brett 4 erzwang Peter Gsteu in einem Endspiel Turm gegen Läufer ein Remis gegen Dmitry Atlas. Um den Wettkampf aus dem Feuer zu reisen, bedurfte es schon einer tadellosen Leistung unserer beiden jüngsten Team-Mitglieder Matthias Burschowsky und Marco Baldauf, die von den Ereignissen sichtlich ungerührt, ihre Schäfchen ins Trockene brachten und damit für Hohenems das 3:3 Unentschieden sicherstellten.
Am Tag darauf sollte es gegen Lustenau so richtig dick kommen. In einem an sich recht ausgeglichenen Wettkampf ging aber so ziemlich alles schief, was schief gehen konnte. Milan Novkovic remisierte gegen Gennadij Ginsburg ebenso wie Guntram Gärtner gegen Patrick Hugentobler und Dmitry Atlas gegen Klaus Doskocil. Damit hatte Hohenems dann aber sein Pulver auch schon verschossen. Heinz Grabher und Johannes Sucher lieferten sich eine packende Partie, die eigentlich Remis enden hätte müssen. Bei der weissen Königswanderung quer übers Brett, gejagt von Suchers Dame und Läufer und beidseitiger Zeitnot unterlief Heinz dann aber ein Fehler womit die Partie verloren war. Matthias Burschowsky stand gegen Georg Fröwis lange Zeit etwas ausrichtsreicher, verzettelte sich aber und wurde von Georg gnadenlos abgestraft. Relativ einseitig verlief die Partie Peter Maier gegen Reinhard Kuntner. Eigentlich war die schwarze Stellung nach dem 12. Zug schon verloren. Laut Fritz hätte nur ein unmenschlicher Computerzug Chancen erhalten. Es war dies der Zug 12. .... g6, aber wer macht den schon gerne, wenn damit der eingene Läufer auf h7 aus dem Spiel ausgeschlossen wird. In weiterer Folge verabsäumt es aber auch Maier den Sack zuzumachen und so bedurfte es kurz vor der Zeitkontrolle eines weiteren schwarzen Schnitzers, um die Partie endlich zu verlieren.
Am Sonntag war dann mindestens teilweise Wiedergutmachung angesagt. Der wichtige Wettkampf gegen Aufsteiger Zirl stand auf dem Programm. Der Auftakt verlief wiederum alles andere als vielversprechend, denn auf Brett 6 passierte nach ca. 3,5 Stunden die eingangs beschriebene Katastrophe. Milan Novkovic geriet gegen Mikhail Ivanov zusehens positionell ins Hintertreffen. Der Russe bei Zirl hatte einen Bauern geopfert und mit seinem Läuferpaar gefährliche Initiative erhalten. Der Figureneinsteller am Schluß sorgte nur für ein unerwartet schnelles Ende, die Stellung war vermutlich auch so verloren. Zirl führte 2:0 und Heinz Grabher stand auf Verlust. Seinem Gegner, vom langen Kampf ermattet, erschien der mögliche Gewinnweg aber zu riskant und deshalb begnügte er sich mit einer Zugwiederholung in die Heinz gerne einwilligte. Dmitry Atlas gelang gegen Dr. Hermann Thöny eine sehenswerte Druckpartie, die mit einem schönen Mattangriff ihren krönenden Höhepunkt erfuhr. Eine durch mehrmalige Schiedrichterinterventionen gekennzeichnete Partie spielte Guntram Gärtner gegen Günther Lawitsch. Guntram kann man dabei durchaus tadeloses Verhalten attestieren, wogegen sich Lawitsch eine Ermahnung gefallen lassen mußte. Guntram erhielt früh eine ausrichtsreiche Stellung, knöpfte dem Gegner einen Bauern ab und ließ im Endspiel nicht mehr locker. Damit war der zwischenzeitliche Ausgleich geschafft. Matthias Burschowsky stand gegen Romed Kapferer lange Zeit defensiv und hatte alle Hände voll zu tun, einen weissen Frei- und Mehrbauer unschädlich zu machen. Der Zirler liess sich schliesslich ein etwa gleich stehendes Turmendspiel noch abnehmen was gleichbedeutend mit dem zweiten Hohenemser Mannschaftssieg in dieser Saison war.
Fazit: für die letzten sechs Runden muß eine Leistungssteigerung her. Zwar liegt Hohenems mit genau 50 % der Punkte auf Rang 5, der Abstand zum 10. Tabellenplatz beträgt aber nur 1,5 Punkte.
Link: 2. Bundesliga-West
