Mit einer überzeugenden Leistung in den letzten 4 Runden der Bundesliga-Saison 2009/10 verscheuchte das Team des SK Hohenems alle Abstiegsgespenster. Die 5 Punkte Vorsprung auf den Abstiegsrang 10 in der Schlusstabelle täuschen aber ein wenig. Erst mit dem 4:2 Sieg in der 10. und vorletzten Runde im entscheidenden Duell mit Mayrhofen/Zillertal war die Sache klar. Der ELO-Unterschied zu den Tirolern war nur minimal, 2448 (Hohenems) : 2433 (Mayrhofen), entsprechend war ein Finale zu erwarten, in dem die Entschlossenheit und die besseren Nerven entscheiden würden. Die Ausgangslage war günstig für uns, da zum Klassenerhalt bereits ein 3 : 3 Unentschieden reichte, die Tiroler brauchten unbedingt einen Sieg. Nach dem Schwarzsieg von Valery Atlas gegen David Gross war die Sache klar, es stand 1,5 : 1,5 und sowohl Arik als auch Michael hatten aussichtsreiche Stellungen. Die beiden stellten dann kurz darauf fast gleichzeitig auf 3,5 : 1,5 und sorgten damit für einen uneinholbaren Vorsprung in der Tabelle. Wir dürfen für die Saison 2010/11 planen. Bild: das Sensationsteam der 11. Runde gegen Maria-Saal von links nach rechts: GM Arik Braun, FM Dmitry Atlas, IM Valery Atlas, FM Marco Baldauf, Matthias Burschowsky und Georg Fröwis. Im Hintergrund unser Teambus, der Sportbus der Stadt Hohenems, der uns äusserst wertvolle Dienste leistete.
Die Runde in Baden verlief ingesamt deutlich turbulenter als vergangene. Das begann schon in Vorfeld bei der Zusammenstellung des Teams und die Reihe unvorhersehbarer Ereignisse sollte sich auch vor Ort in Baden bis zur letzten Runde fortsetzen. Es begann damit, dass ich als Coach des Team mich noch in der ersten Nacht von Freitag auf Samstag entschloss, das Hotel zu wechseln. In der Villa Gutenbrunn mit direktem Zugang zur Römertherme Baden waren wir dann bestens aufgehoben. Die gute Stimmung und das ansprechende Ambiente haben sicherlich auch ihren Teil dazu beigetragen, dass das Team in Baden zu Höchstleistungen aufgelaufen ist. Erst wenige Tage vor Abreise wurde klar, dass Milan Novkovic aus privaten Gründen zumindest nicht bei der so wichtigen Begegnung mit Husek Wien dabei sein konnte. Erst in Baden wurde dann endgültig zur Sicherheit, was sich schon zuvor abgezeichnet hatte. Wir mussten an diesem Vierer-Wochenende leider alle vier Runden auf Milan verzichten. Alexander Naumann musste am Samstag noch arbeiten und konnte erst ab der Sonntag-Runde eingesetzt werden.
Wir waren gegen Husek Wien zwar auch ohne Alex und Milan Favorit, doch in diesem Match, das wir unbedingt gewinnen mussten, war der Mannschaft die Nervosität deutlich anzumerken. Als Arik Braun gegen Benoni-Spieler Boros Denez nach zunächst druckvollem Spiel in einen Konter lief und Georg Fröwis mit drei Bauern weniger in einem Schwerfigurenendspiel angekommen war brannte der Hut lichterloh. Doch behielt die Mannschaft in kritischer Lage die Übersicht. Zunächst glich Dmitry Atlas aus, nachdem sein Mattangriff durchgedrungen war. Georg Fröwis schob seine Damenflügelbauern so weit vor, dass der Materialnachteil keine Rolle mehr spielte. Sein Gegner musste sich mit Remis zufrieden geben. Michael Bezold sicherte sich ebenfalls ein Remis als klar war, dass Marco Baldauf seine Stellung gewinnen würde. Es stand 3:2 als Valery Atlas seine leicht vorteilhafte Stellung remis gab. Mit Hängen und Würgen konnten wir diese Zitterpartie doch knapp mit 3,5 : 2,5 für uns entscheiden. Gleichzeitig verlor Mayrhofen hoch, sodass sich der Vorsprung auf komfortable 3 Matchpunkte vergrößerte. Die Ausgangslage hatte sich damit deutlich zu unseren Gunsten verbessert. Jedes weitere 3:3 Unentschieden in einer der noch verbleibenden 3 Runden würde uns den Klassenerhalt sichern. Selbst bei einer Niederlage gegen Mayrhofen hatten wir noch eine letzte Chance in Runde 11 gegen Maria-Saal.
Zu unserer Überraschung verzichtete unser Gegner in Runde 9, die Heimmannschaft Baden, auf den Einsatz von Alexander Beliavsky. Baden war mit 5 GM's plus IM Sigi Baumegger nominell immer noch deutlich zu favorisieren, doch überraschten wir den Gegner sichtlich mit dem Einsatz von Alex Naumann. Dazu verlief das Match für die Badener anfangs gar nicht nach Wunsch. Arik hatte keine Probleme, rasch mit schwarz gegen Bartosz Socko zu remisieren, ebenso problemlos konnten Alex Naumann und Georg Fröwis ihre Gegner auf Distanz halten. Als GM Igor Stohl unter dem Dauerdruck von Valery Atlas eine Figur einstellte schien eine Überraschung im Bereich des Möglichen. Beim Zwischenstand von 2,5 : 1,5 für Hohenems kämpften Michael Bezold und Marco Baldauf mit schlechteren Stellungen verbissen um den einen nötigen halben Punkt, der dann auch schon den Klassenerhalt gesichert hätte. Am ehesten hätte das noch Marco Baldauf gelingen können, doch fand der junge Deutsche aus Riedering/Lkr. Rosenheim bei knapper Bedenkzeit nicht beste Verteidigung und verlor ebenso wie schon zuvor Michael.
Es führte also kein Weg vorbei am großen Alles-oder-Nichts Duell gegen Mayrhofen. Für Mayrhofen war es jedenfalls so, wir hatten ja als allerletzten Rettungsanker ja noch die Schlussrunde gegen Maria Saal. Wiederum waren es unvorhersehbare Ereignisse, die im Vorfeld dieses wichtigsten Wettkampfs der Saison Unruhe in die Mannschaft zu bringen drohten. Zum einen wurde Alexander Naumann dringendst bereits am Dienstag zurück an seiner Arbeitstelle gebraucht, zum anderen wollte sich Michael das Match seiner Bayern gegen Manchester United, für das er Karten hatte, nicht entgehen lassen. Das 4:2 gegen Mayrhofen beantwortete alle Fragen zufriedenstellend, sodaß der im Falle einer Niederlage vorgesehene Kriegsrat nicht einberufen werden musste. Für Matthias Burschowsky gab es so noch einen unverhofften Bundesliga-Einsatz in der letzten Runde.
In der Schlussrunde gegen Maria-Saal waren wir durch den Wegfall von zwei unserer Großmeister dann klarer Aussenseiter. Wir hatten auf allen 6 Brettern ein zum Teil deutliches ELO-Minus aufzuweisen. Normalerweise, in 9 von 10 Fällen, endet ein solch verwegenes Vorhaben auch mit der zu erwartenden Niederlage. Doch diese 11 Runde war keine normaler Runde. Sichtlich befreit vom Damoklesschwert des Abstiegs erbrachte unser junges Team eine sensationelle Leistung. Es kommt zwar auch im Schach immer wieder vor, dass der eindeutige Aussenseiter ein Match gewinnt, jedoch sehr selten. An diesem 30. März war es wieder einmal so weit. Arik Braun hielt gegem Österreichs Nummer 1, Markus Ragger mit schwarz problemlos remis. Valery Atlas ließ Dusko Pavasovic nicht den Funken einer Chance auf Gegenspiel und akzeptierte das Remisangebot seines prominenten Widersachers. Marco Baldauf war der einzige, der an diesem Tag dem großen ELO- und Wissensvorsprung seines Gegners, GM Rainer Buhmann Tribut zollen mußte. Matthias Burschowsky sicherte sich sein erstes Remis in der Bundesliga. Auch er kam heuer auf zwei Einsätze, er hatte schon die erste Runde in Jenbach gespielt. Die Matchwinner gegen Maria-Saal waren Georg Fröwis und Dmitry Atlas, die in sehenswerten Partien ihre Gegenüber Robert Kreisl und Mario Schachinger ausmanövrierten. Endstand: 3,5 : 2,5 für Hohenems!
Alle Ergebnisse und Partien sind auf chess-results.com zu finden. Bilder der Runde gibt es hier. Eines der Highlights der Runde aus Hohenemser Sicht war der Besuch von Ferdl Tschabrun, der einige Tage privat in Wien verbrachte und es sich nicht nehmen ließ nach Baden zu kommen. Jedenfalls waren wir die einzige Gastmannschaft, noch dazu die am weitesten gereiste, die ihren eigenen Journalisten mit dabei hatte!
Nichts mehr anbrennen ließ, wie zu erwarten war, der SK Jenbach. Die Tiroler erspielten einen ultimativen Meistertitel mit dem Maximum an Matchpunkten (22 Punkte aus 11 Begegnungen). Man darf gespannt sein, wie viele Jahre oder besser Jahrezehnte es dauern wird, bis dieser Rekord für die Ewigkeit eingestellt werden wird. Zweiter wurde die Mannschaft von Holz Dohr, dritter Baden.
Aus der Liga verabschieden müssen sich Mayrhofen/Zillertal, Pamhagen und Husek Wien.
