Am 20. März ging die Saison 2025-26 der Landesmannschaftsmeisterschaft zu Ende und Hohenems schnappte dank einem glücklichen 3.5-2.5 Sieg über Dornbirn Lustenau den sicher geglaubten Titel noch weg. Titel Nummer 25 bedeutet, dass Hohenems in der ewigen Bestenliste der LMM Dornbirn an der Spitze überholt.
In der Liga schien eine Runde vor Schluss alles klar zu sein, Lustenau ging mit zwei Mannschaftspunkten Vorsprung ins Rennen, gleichzeitig hatten sie mit Hörbranz auch einen vermeintlich leicht schlagbaren Gegner. Die letzten verbliebenen Verfolger Hohenems und Dornbirn trafen im direkten Duell aufeinander, beide konnten nur mit Hörbranzer Schützenhilfe noch den Sprung an die Spitze der Tabelle schaffen. Tatsächlich wollte es wohl der Zufall so, dass Hörbranz an diesem Abend mit ihrer stärksten Aufstellung der ganzen Saison antreten konnten und waren leichter Elofavorit gegen Lustenau. Drei schnellen Remisen an den hinteren Brettern folgten Hörbranzer Siege an den Brettern 1 und 3, schließlich hieß das Endergebnis 4-2 für Hörbranz. Lustenau blieb nur noch die Hoffnung übrig, dass der Wettkampf in Hohenems 3-3 oder 3.5-2.5 für Dornbirn ausging.
Zeitgleich sah es in Hohenems lange Zeit nach einem vielleicht sogar klaren Sieg für Dornbirn aus. Emilian Hofer an Brett 1 gegen Andrew Heron und Andreas Kezic an Brett 6 gegen Fynn Bösch waren schnell in argen Nöten. Andreas musste auch bald die Segel streichen, Emilian gelang es zumindest in der Partie zu bleiben. Guntram Gärtner schnappte sich gegen Julia Novkovic früh einen Bauern, übertrieb es aber wohl etwas mit den Damenzügen - in den ersten 15 Zügen bewegte Guntram ganze sieben Mal die eigene Dame. Die Stellung blieb aber unklar. An Brett 4 gelang es Leon Nussbaumer gegen Peter Klings schnell mit Schwarz das Kommando zu übernehmen. Wild ging es an Brett 5 zwischen Manuel Pribozic und Christian Rüscher her, Manuel versuchte in einer geschlossenen Winawer Struktur der französischen Verteidigung den Durchbruch mittels Qualitätsopfer zu forcieren. In der Zwischenzeit wurden an Brett 3 die Friedenspfeifen geraucht - zwischen Robert Sandholzer und Clemens Kanonier entstand nach zwischenzeitlich leichtem Vorteil für Weiß ein ausgeglichenes Endspiel. Beide Spieler entschieden sich kein Risiko einzugehen. Kurz darauf stellte Emilian Hofer in inzwischen unklarer Stellung eine Figur ein und gab auf. Zu diesem Zeitpunkt konnte nur noch ein kleines Schachwunder einen Emser Sieg bringen.
Leon Nussbaumer brachte seinen Vorteil souverän ins Trockene - die gegnerischen Figuren waren völlig unkoordiniert und nach hinten hineingedrückt, Materialverlust für Leons Gegner war die Folge. Bei Manuel entstand eine Stellung bei der sich keiner zutrauen konnte eine Prognose abzugeben, Manuel behielt die Übersicht und gewann. Somit blieb es an den Captains - Guntram und Julia - den Wettkampf zu entscheiden. Und in beidseitiger Zeitnot wurde die Stellung nach und nach schlechter für Guntram, sein König schien in einem Mattkäfig gefangen zu sein. Guntram musste eine Qualität spucken um die Partie zu verlängern. Es schien viele Wege nach Rom für Julia zu geben - der einfachste war wohl der Abtausch ins Endspiel. Julia entschied sich für Bauernraub. Von hier an folgte eine Verkettung an (un-)glücklichen Umständen, wie man sie aus Guntrams Partien kennt: zuerst gewann er mit einem taktischen Trick die Qualität zurück, dann wählte Julia das falsche Feld für ein Damenschach, entschied sich zum Damentausch um Dauerschach aus dem Weg zu gehen (ein Remis hätte ein 3-3 bedeutet, ein Ergebnis, das Dornbirn auch nicht weitergeholfen hätte), und griff schließlich im Bauernendspiel entscheidend daneben. Nach fünf Stunden Spielzeit war das 3.5-2.5 für Hohenems fixiert.
Die Stützen auf dem Weg zu Titel 25 waren Benjamin Kienböck (6.5 Punkte aus 10 Partien), Guntram Gärtner (8 aus 10) und Manuel Pribozic (8.5 aus 10). Weiters zum Einsatz (in Reihenfolge der Aufstellung) kamen in der Saison Emilian Hofer (2.5 aus 5), Sandro Schmid (3 aus 3), Philipp Lins (4 aus 6), Robert Sandholzer (1.5 aus 2), Leon Nussbaumer (2.5 aus 3), Robert Jedlicka (0.5 aus 2), Olga Kurapova (0.5 aus 1), Andreas Kezic (3.5 aus 7), Améziane Gouali (2 aus 4), Lukas Marte (1 aus 1), Nicolas Wohlgenannt (0 aus 1) und Mohamed Shire (1 aus 1).
Den Gang zurück in die A-Klasse muss die zweite Hohenemser Mannschaft antreten. Man war aber ohnehin nur als Nachrücker in die Liga gekommen, da es zu einer ganzen Reihe an Verzichten gekommen war. Die 4 Mannschaftspunkte und eine ganze Reihe an Überraschungen in einzelnen Partien konnten sich durchaus sehen lassen. Die Topscorer waren Sergiy Yakovlyev (3.5 aus 8), Nicolas Wohlgenannt (3 aus 7) und Mohamed Shire (2.5 aus 7).
In der A-Klasse gelang es Hohenems 3 die Klasse zu halten. Theoretisch war man bis zum Schluss in Abstiegsgefahr, ein 3-3 in der Schlussrunde gegen Götzis 2 sicherte den Klassenerhalt. Die meisten Punkte steuerten hier Zivojin Ilic (4 aus 5), Ferdinand Pribozic (4 aus 10) und Tobias Markstaler (3.5 aus 7) bei.
Die vierte Emser Mannschaft belegte in der B-Klasse Rang 10 in einer 14er Liga. Hier ragten Jodok Buschta (7 aus 9), Tunahan Bas (4 aus 5) und Marcel Riegler (4 aus 6) heraus.
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