Am Wochenende vom 13. bis zum 15. März fand im Salomon-Sulzer-Saal in Hohenems die Abschlussrunden der 2. Bundesliga West Saison 2025-26 statt. Einer knappen Niederlage gegen Jenbach am Freitag und einem spielfreien Samstag folgte ein klarer Sieg gegen Ranshofen zum Abschluss. Hohenems beendete die Meisterschaft auf Rang 5.

Vor dem Wochenende fanden nervöse Rechenspiele statt: kann man bei schlechtestmöglichem Ausgang - nach einem starken Start mit zwischenzeitlicher Tabellenführung - gar noch auf einen Abstiegsplatz zurück rutschen? Die Antwort schien "ja" zu lauten. Gespielt wurde im schönen Ambiente des Salomon-Sulzer-Saales in Hohenems, Vizebürgermeister und Landtagsabgeordneter Mag. (FH) Markus Klien begrüßte die elf Mannschaften aus Vorarlberg, Tirol und Salzburg.

Am Freitag gegen Jenbach war man auf dem Papier wohl leichter Außenseiter. An Brett 1 gab es zwischen IM Fabian Bänziger und GM Philipp Schlosser ein schnelles Remis - Fabian opferte eine Figur, laut Computer inkorrekt, am Brett aber schwer einzuschätzen und zu widerlegen. Schlosser ging kein Risiko ein und ließ eine Zugwiederholung zu.

FM Benjamin Kienböck hatte mit Schwarz gegen FM Michael Fedorovsky wenig Probleme, er glich gegen Fedorovskys Réti Eröffnung mühelos aus, auch hier entschieden sich die Spieler für eine frühe Zugwiederholung.

Zwischen des FMs Fabian Matt und Johannes Lerch entstand nach einem abgelehnten Damengambit ein zweischneidiges Mittelspiel, bei dem Lerch den klareren und gefährlicher aussehenden Plan mit Königsangriff hatte, wobei Fabian objektiv gesehen wohl genug Gegenspiel am Damenflügel hatte. Leider griff Fabian in Zeitnot daneben und sah sich einer undeckbaren Mattdrohung konfrontiert.

Eine hohe Hürde hatte Leon Nussbaumer mit IM Thomas Reich. Leon hielt lange gut mit, jedoch hatte er irgendwann einen isolierten Bauer auf d5 während Reich noch das Läuferpaar hatte. Der Routinier aus Bayern nahm Leon zuerst einen, dann noch einen zweiten Bauern und damit die Partie ab.

Wild ging es zwischen Olga Kurapova und Wilfried Höllrigl her. Nach der Eröffnung schien Höllrigl leichten Vorteil zu haben - der Druck auf den weißen d4 Bauern schien unangenehm. Olga suchte das Heil im Königsangriff und tatsächlich bot sich ihr die Möglichkeit zwei Türme gegen Dame zu tauschen und dabei tödliche Drohungen aufstellen zu können. Nachdem Olga einen leichten Gewinnzug (der ihr einen Turm eingebracht hätte) ausließ, wuchsen die Sorgenfalten bei den heimischen Zuschauern. Höllrigl ließ eine kurzzeitige Chance auf Dauerschach jedoch auch verstreichen, Olga begann ihre Bauern in Richtung Umwandlungsfelder zu schieben und behielt gleichzeitig die Drohungen auf den schwarzer König aufrecht. Die Partie endete mit Matt auf dem Brett für Olga.

Stefan Greußing gewann aus der Eröffnung heraus mit Schwarz einen Bauern, Weiß schien jedoch lange Kompensationen dafür zu haben. Es verschwand Figur um Figur vom Brett, schließlich blieb ein Turmendspiel mit 4 vs. 3 Bauern am Königsflügel übrig das bekanntlich theoretisch Remis ist. Stefan versuchte sein Bestes seinen Gegner zu überlisten, musste schließlich aber ins Remis einwilligen.

Am Ende stand eine 2.5-3.5 Niederlage zu Buche, mit etwas mehr Spielglück wäre wohl auch ein 3-3 drinnen gewesen.

Nach den Samstagswettkämpfen war klar, dass die rechnerische Gefahr eines Abstiegs nach wie vor existent war, ein Mannschaftspunkt gegen Ranshofen schien notwendig zu sein, um nicht auf Schützenhilfe der Konkurrenz angewiesen zu sein.

IM Guntram Gärtner verwechselte am Spitzenbrett gegen FM Martin Riediger im Londonsystem die Zugreihenfolge, stand aus der Eröffnung heraus leicht schlechter. Als Riediger Guntram noch einen Isolanie anhängen konnten, gab Guntrams Stellung einen gewissen Anlass zur Sorge. Guntram konnte sich jedoch als es so aussah, als ob der Isolanie fallen würde, mit einer taktischen Abwicklung befreien. Riediger wickelte in ein Springerendspiel ab, das bald Remis gegeben wurde.

FM Benjamin Kienböck ließ FM Roland Knechtel wenig Zeit zum Atmen, aus der Eröffnung heraus hatte er einen starken Angriff auf den schwarzen König. Knechtel verteidigte sich lange zäh, der Computer zeigte gar die eine oder andere Variante an, bei der die Stellung in unklare Fahrwasser abdriften konnte. Aber Benjamin hatte den größeren Überblick, vor der Zeitkontrolle entstand eine piktureske Stellung, bei der sich der schwarze König mit zwei weißen Freibauern konfrontiert sah, die noch dazu von der weißen Dame unterstützt waren. Die Bauern waren nicht mehr zu halten, der Punkt für Hohenems im Trockenen.

Emilian Hofers Gegner Wolfgang Kücher legte die Partie extrem solide an. Emilian hatte mit Schwarz zwar keinerlei Probleme, es schien aber gleichzeitig schwer vorstellbar, wie er sich Gewinnchancen herausspielen könnte. Kurz vor dem 40. Zug wurde die Partie konkreter, Bauern wurden abgetauscht, Linien gingen auf, Freibauern wurden gebildet. Die Partie war immer noch Remis, erforderte von Weiß jedoch das Finden einer Reihe an einzige Zügen. Kücher tat dies nicht, Emilian brachte einen seiner Bauern durch.

FM Fabian Matt stand aus der Eröffnung heraus gegen Klaus Schwarzmeier problematisch. Fabians Läufer auf b2 stand so dumm hinter den eigenen Bauern, dass Fabian lange mit praktisch einer Figur weniger spielen musste. Nachdem Schwarzmeier die Stellung forcierte, am Königsflügel aufriss, boten sich plötzlich Gegenchancen für Weiß. Die lange Diagonale, in der Fabians Läufer zuerst ein tristes Dasein gefristet hatte, ging auf und Schwarzmeier sah sich mit undeckbaren Drohungen konfrontiert. Fabian gewann Material und die Partie.

Olga Kurapova hatte es mit Schwarz mit dem unverwüstlichen Josef Ager (Jahrgang 1939!) zu tun. Ager hatte in dieser Saison schon einigen vermeintlichen Elofavoriten das Fürchten gelehrt. In dieser Partie war er der jedoch nominelle Favorit und schien diese Erwartung erst auch zu bestätigen. Er hatte Raumvorteil, Olgas Figuren wirkten unkoordiniert, die Schwarze Stellung schien an einem seidenen Faden zu hängen. Ager entledigte sich des schwarzen Läuferpaares, die Probleme für Olga wurden nicht weniger. Die Partie kippte, als Ager auf Bauernfang ging. Olga bekam für diesen Bauern Angriff auf den weißen König. Nach der Zeitkontrolle hatte Ager die Chance auf ein Dauerschach bzw. den Übergang in ein schlechteres aber haltbares Turmenspiel. Er ließ die Chance jedoch verstreichen, als die Schachs zu Ende waren, blieb ein tödlicher Angriff auf seinen König übrig, er musste Olga die Hand zur Aufgabe reichen.

Die Stellung zwischen Stefan Greußing und Shakir Gurbanli schien erst völlig unklar zu sein, nach einem unbedachten Springerausfall konnte Stefan mit einer Doppeldrohung eine Qualität gewinnen. Die Gewinnführung schien nicht ganz trivial, Schwarz hatte einen Freibauern der bis auf d2 vorstieß. Nachdem Stefan den Damentauch erzwingen konnte, war das Schicksal des d2-Bauern besiegelt und Gurbanli gab bald darauf auf.

Der Wettkampf endete 5.5-0.5, der Sieg als solcher war verdient, die Höhe täuscht jedoch über den tatsächlichen Wettkampfverlauf hinweg.

Am Schluss lag Hohenems auf Tabellenrang 5, da Götzis die Schlussrunde auf Grund eines Lapsus von Peter Mittelberger (er überschritt in Gewinnstellung die Zeitvorgabe) knapp verlor, wurde Hohenems beste Vorarlberger Mannschaft. Meister wurde Absam, die Absteiger sind noch nicht klar, hängen noch davon ab, wie viele Westmannschaften aus der 1. Bundesliga absteigen (möglich sind 1-3) und ob es zu Verzichten in den Bundesländern bzgl. Aufstiegsrecht kommen wird. Klar ist, dass für Sonnenberg das Abenteuer 2. Bundesliga nach einer Saison schon wieder zu Ende ist, Dornbirn auf Rang 10 kann nur auf Verzichte hoffen, ASK Salzburg (Rang 8) ist im Fall der Fälle über die Salzburger Landesliga gerettet. Für Ranshofen (Rang 9) heißt es Beobachten was in der 1. Bundesliga passiert.

Ganze 17 Spieler kamen aus dem 20 Mann (und Frau) Kader in dieser Saison für Hohenems zum Einsatz. Herausragender Spieler war einmal mehr FM Benjamin Kienböck. 8 aus 10 Punkten bedeuteten eine Eloperformance von 2456, eine zweite IM Norm verhinderte nur die zu geringe Anzahl an internationalen Meistern als Gegner. Ergebnisse von +2 und mehr hatten zudem Emilian Hofer (4.5 aus 5), IM Fabian Bänziger (4 aus 6), IM Dennis Breder (2 aus 2), FM Noah Fecker (2 aus 2) und Philipp Lins (4 aus 6).

Detailergebnisse, Tabelle und Partien auf chess-results:

https://s1.chess-results.com/tnr1221888.aspx