
Ab Donnerstag 3. bis Sonntag, 6. März 2011 ist St. Veit/Glan kurzzeitig Schachhauptstadt Österreichs. Die 12 österreichischen Spitzenklubs geben sich ein Stell-Dich-Ein bei den Bundesligarunden 8 bis 11. Während an der Tabellenspitze alles klar zu sein scheint, ist am Tabellenende für Hochspannung gesorgt. Jenbach als amtierenden und wohl auch neuer Meister hat zwar gleich am Donnerstag noch Verfolger Wulkaprodersdorf zum Gegner, bleibt aber selbst bei einer knappen Niederlage weiterhin klarer Favorit. Zwei Matchpunkte und 5 Brettpunkte Vorsprung sprechen eine deutliche Sprache. Die spannende Frage ist eher, ob es den Tirolern gelingt, das Husarenstück von letzem Jahr zu wiederholen und alle 11 Begegnungen zu gewinnen.
Am Tabellenende sind Pöchlarn, Styria Graz, Mayrhofen und SIR Salzburg am meisten gefährdet. Drei Klubs müssen den Weg in die 2. Bundesliga antreten. Salzburg hat zwar zwei Punkte mehr auf dem Konto als das derzeitige Schlusstrio, doch stehen mit Jenbach und Baden noch zwei sehr schwere Matches auf dem Programm. In den Begegnungen gegen Pöchlarn und Zillertal darf daher nichts schief gehen. Lackenbach (5 Matchpunkte) und wir selbst (6) sind zwar auch noch nicht endgültig aus dem Schneider, doch müsste bei diesen beiden Mannschaften schon sehr viel schief laufen, wenn es einen der beiden noch erwischen sollte. Im Bild rechts: Georg Fröwis, der bisher eine sehr gute Saison hatte und in St. Veit versuchen wird, seine IM-Norm Chance wahrzunehmen. Dafür wäre allerdings eine Sonderleistung nötig. Über die Zusammensetzung des Teams wird ansonsten derzeit noch nichts weiter verraten, ab Donnerstag 15.30 Uhr sind die Aufstellungen dann in der Liveübertragung einzusehen. Die Spieler des SK Hohenems versprechen wie immer Kampfschach mit hoffentlich vielen spektakulären Partien. Die Mannschaft hofft natürlich auf viele daumendrückende On-Line-Fans. Das Programm für Hohenems:
3. März, 16.00 Uhr Hohenems - Styria Graz 3,5 : 2,5
4. März, 14.00 Uhr Maria Saal - Hohenems 4 : 2
5. März, 14.00 Uhr Hohenems - Wulkaprodersdorf 2 : 4
6. März, 10.00 Uhr St. Veit/Glan - Hohenems 3,5 : 2,5
Runde 8: SK Hohenems - Styria Graz
In Runde 8 schlug endlich (!) auch einmal die große Stunde der Teamcaptains in der 1. Bundesliga. Nicht weniger als 5 (!!) Mannschaften schickten in dieser Runde ihre Teamchefs in die Schlacht. Die sensationelle Ausbeute: 2 Punkte von 5 möglichen. Bei näherer Betrachtung relativiert sich die Sache allerdings. Die 5 Desparados hatten natürlich allesamt schön artig auf Tisch 6 Platz zu nehmen und zufällig (oder auch nicht) gab es zwei direkte Captains-Duelle. Bei Baden gegen Salzburg ging Favorit Martin Herndlbauer gegen Arnold Endthaler als Sieger vom Brett und bei Hohenems - Styria Graz gelang selbiges dem Verfasser gegen Manfred Lamp. Der fünfte im Bunde, Hermann Galavics (SK Lackenback) kassierte bei seinem kühnen Unterfangen die erwartete Niederlage gegen IM Günter Kuba (SC Fürstenfeld).
Für Reinhard Kuntner (Bild) war es in 16 Jahren Bundesliga der zweite Einsatz. Der erste am 14. Jänner 2000 in der Stadthalle Fürstenfeld endete gegen Walter Kastner noch fatal doch 11 Jahre später gelang die Wiedergutmachung. Der Schwarzsieg gegen Manfred Lamp war dazu noch matchentscheidend. Einen glatten Sieg für Hohenems erspielte sich auf Brett 1 auch der im Moment in Hochform agierende GM David Baramidze gegen GM Robert Ruck. Auf Brett 2 war GM Arik Braun jederzeit Herr der Lage gegen GM Nanu und sicherte sich das Remis ohne je in Gefahr gewesen zu sein. GM Michael Bezold erhielt gegen Eva Moser zunächst die klar bessere Stellung. Nach einem kleinen Positionsfehler glich Österreichs Paradeamazone jedoch aus und sicherte sich das Remis. IM Valery Atlas spielte gegen IM Georg Danner mit den schwarzen Steinen sehr ambitioniert und lehnte ein Remisangbot ab. Die Partie drohte zu kippen, war dann aber gerade noch remis. Damit waren 3,5 Punkte auf dem Konto, sodass Georg Fröwis' Niederlage gegen IM Walter Wittmann zu verkraften war. Captain Reinhard Kuntner meldet sich hiermit für die nächsten 11 Jahre wieder ab und macht für den Rest des Wochenendes Günter Amann Platz. Der Abstieg ist nach dem wichtigen Sieg gegen Styria nun definitiv kein Thema mehr. Heute gibt es die beinharte Auseinandersetzung mit Maria-Saal. Ein besonderer Leckerbissen verspricht das Duell der beiden Jungstars Markus Ragger (Austria - Maria-Saal) gegen David Baramidze (Germany - Hohenems) zu werden.
Runde 9: Maria-Saal - SK Hohenems
Ernüchterung. In einem hemmungslosen Hauen und Stechen gehen die Hohenemser heute gegen Maria-Saal 2:4 unter. Der Wettkampf war aber lange Zeit offen, zeitweise durfte man sogar optimistisch sein. Selbst als Georg Fröwis seine Partie gegen Georg Halvax aufgeben musste, lebte die Hoffnung auf ein positives Resultat durchaus noch. Besonders bei den GM-Partien auf Brett 1 bis 3 schien es, dass wir die Oberhand behalten würden. David Baramidze glich gegen Markus Ragger nicht nur aus, sondern machte bereits Druck. Bei knapper Zeit verlor er aber den Faden und in weiterer Folge nach langer Gegenwehr auch die Partie. Michael Bezold brachte Rainer Buhmann ganz ordentlich ins Schwitzen und hatte zweitweise Vorteil. Die weissen Drohungen am Königsflügel blieben jedoch stehts gefährlich und in beidseitiger Zeitnot war eine Mattdrohung plötzlich nicht mehr zu parieren. Einzig Arik Braun (im Bild gegen Dusko Pavasovic) gelang es nach einer bizarr verlaufenen Partie mit unübersehbaren Verwicklungen am Ende doch den Sack zuzumachen. Valery Atlas und auch Günter Amann hatten gewissen Vorteil doch in beiden Partien reichte es nicht zu mehr als zu einem Remis. Damit gelang den Kärntnern die Revanche für die letztjährige überraschende Niederlage und das Behaupten des zweiten Tabellenranges. In Runde 10 wird die Aufgabe nicht leichter. Es wartet das bärenstarke Team aus Wulkaprodersdorf.
Runde 10: SK Hohenems - SV Wulkaprodersdorf
Ein weiteres mal an diesem BL-Schlusswochenende musste Hohenems die Überlegenheit des Gegners anerkennen. Wulkaprodersdorf hat zwar im Duell gegen den alten und neuen Meister Jenbach genauso eine 1,5 : 4,5 Niederlage kassiert wie wir selbst, doch in der direkten Begegnung erweisen sich die Burgenländer (mit kräftiger Beteiligung des Deutschen Bundesligisten Schachfreunde Berlin) als überlegen. Auf den ersten vier Brettern ergeben sich zwar ebensoviele relativ unspektakuläre aber ausgekämpfte Punkteteilungen, doch an Brett 5 und 6 war der Druck einfach zu stark. Georg Fröwis und Günter Amann wehrten sich zwar nach Kräften, doch konnten beide ihre Stellungen gegen die IM's Lars Thiede und Friedrich Volkmann letztlich nicht halten. Eine weitere ausgezeichnete Leistung bot hingegen IM Valery Atlas (Bild rechts) in seiner Partie gegen IM Ilja Schneider. Eine beeindruckende Verteidigungsleistung wurde schlussendlich mit einem verdienten Remis belohnt, dem dritten in Folge an diesem Wochenende. David Baramidze und Michael Bezold brachten mit ihren Weisspartien ihre Gegner nicht wirklich in Verlegenheit, hatten aber auch nie irgend welche Probleme. Arik Braun schaffte es mit schwarz ziemlich leicht, die Stellung auszugleichen aber auch in dieser Partie waren der Gegner nie wirklich in Gefahr. Im Abstiegskampf ist eine Runde vor Schluss die erste Entscheidung gefallen. Nach dem dritten 2,5 : 3,5 ist Styria Graz endgültig abgestiegen. Mayrhofen, Pöchlarn und Lackenbach machen sich die beiden weiteren Absteiger in der letzten Runde unter sich aus. Bereits für die nächste Saison planen kann SIR Salzburg. Der Titelkampf ist nun auch theoretisch entschieden. Jenbach gewinnt das 21. Match in Serie und wird morgen versuchen, auch noch die letzte Partie gegen SIR Salzburg siegreich zu beenden.
Runde 11: St. Veit/Glan - SK Hohenems
An den beiden rechts (David Baramidze und Arik Braun) lag es nicht, dass wir am Sonntag die dritte Niederlage in Serie ausgefasst haben. Erneut war Arik Braun der Mann der Runde mit einem Sieg gegen Österreichs Bundestrainer Zoltan Ribli. David Baramidze legte seine Partie gegen Marin Bosiocic von Anfang an auf Sicherheit an und remisierte sicher. Michael Bezold hatte gegen Davor Rogic phasenweise die vorteilhaftere Stellung doch einigten sich sie Spieler im späteren Verlauf auf Remis. Die Luft sichtlich heraussen war auf den drei "Österreicher-Brettern" wo lediglich Günter Amann ein Remis rettete und dies nachdem er bereits nach 10 Zügen eine Gewinnstellung auf dem Brett hatte. Georg Fröwis erwischte leider ein rabenschwarzen Wochenende und konnte nach der 0-0-0 in den Runden 8 bis 10 in der letzten Runde auch den "Audi" nicht verhindern. Valery Atlas konnte an die sehr guten Leistungen der Runden zuvor leider nicht anschließen, zu seiner Ehrrettung muss aber gesagt werden, dass er eines der Opfer des St. Veiter Faschings war. Direkt neben unserem Blumenhotel ging es am Samstag (und auch schon am Freitag) in der St. Veiter Blumenhalle heiss her. Laute Musik und Lei-Lei bis in die frühen Morgenstunden ließen an einen gesunden und erholsamen Schlaf nicht einmal ansatzweise denken.
Jenbach wiederholte das Kuststück von letztem Jahr und gewann die Meisterschaft mit dem Punktemaximum von 22 Punkten. Den zweiten Platz sicherte sich Wulkaprodersdorf vor Baden. Diese drei sind für den Europacup in Herbst in Slowenien qualifiziert. Bei Verzicht bekommen die Teams auf Platz 4, 5 und 6 noch eine Chance: Fürstenfeld, Maria Saal und St. Veit.
Die untere Tabellenhälfte wird angeführt von Hohenems auf Platz 7. Etwaige Abstiegsängste waren unbegründet und mit dem 3,5 : 2,5 gegen Styria war die Mannschaft definitiv bereits sicher. Wie sich am Ende herausstellte, hätten aber bereits die 6 Punkte gereicht, die wir schon vor der Kärntnenreise hatten. Salzburg kam ebenfalls noch auf 8 Matchpunkte (Platz 8) Den begehrten 9 Rang, der zum Weiterverbleib in der Liga berechtigt sicherte sich im letzten Moment Pöchlarn mit einem Sieg gegen Lackenback. Von Mayrhofen, Styria und Lackenbach muss sich die Liga hingegen verabschieden.