ImageImageImage

 

 

 

 

 

 

Preisfrage: was haben die beiden Fußballspieler links mit den beiden Schachspielern rechts zu tun? Für Besucher dieser Seite, die mit dem Geschehen im Vorarlberger Schachgeschehen nicht so vertraut sind: es handelt sich bei den beiden Aufnahmen rechts nicht um ein und die selbe Person.

OK, ein kleiner Hinweis: die beiden Ballkünstler links hatten ihre beste Zeit in den 60-er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Im Jahre 1966 spielten die beiden in London im Europacup-Halbfinale für Borussia Dortmund gegen das englische Team West Ham United. Borussia gewann dank zweier später Tore (87. und 88. Minute) von Lothar Emmerich (das ist der junge Mann links im Bild). Der zweite im Bild, er legte für gewöhlich ideal für Emmerich auf (manchmal war es auch umgekehrt), ist Sigi Held. Zum Zeitpunkt dieses Triumphs waren unsere beiden Schachzwillinge (wie auch für Uneingeweihte unschwer auf den Bildern zu erkennen ist, handelt es sich um ebensolche) noch nicht auf unserem schönen Planeten angekommen. Ihre erste Sternstunde sollte erst zwei Jahre später schlagen. Nach deren großer Show im EC-Halbfinale gab die englische Presse Emmerich und Held einen bestimmten Namen. So, jetzt sollte der Groschen aber gefallen sein. Wer noch nicht sicher ist, am Ende des Berichts steht die Antwort.

Zurück nach Jenbach. Valery und Dmitry Atlas (das sind die beiden rechts, doch wer ist welcher ? - auch dieses Geheimnis wird ganz zum Schluss gelüftet) zeigten sich jedenfalls bei den ersten 3 Runden zur neuen Bundesligasaison 2009/10 von ihrer besten Seite, steuerten zusammen 4,5 von 6 möglichen Punkten bei und verließen die Kampfesstätte ungeschlagen. Die drei Partien von Valery hatten alle ihren eigenen Charakter. Gegen ELO-Riesen Kurnosov (2666) spielte Valery druckvoll, wickelte in ein Endspiel ab, in dem er nie wirklich in Gefahr geriet und hochverdient das Remis sicherstellte. Sehr schön war die Gewinnführung in der zweiten Partie, in der der Gegner auf die Zuverlässigkeit seiner verbarrikadierten Königstellung setzte. Mit einem wunderschönen positionellen Figurenopfer wurde der König entblöst und von Turm und Dame zur Strecke gebracht. In der dritten Partie mit schwarz gegen den gefährlichen Deutschen IM Ilja Schneider lenkte er schnörkellos in ein Schwerfigurenendspiel ein, in dem es Weiss nicht gelingen sollte, irgendeinen Vorteil nachzuweisen.  

Dmitry setzte in der ersten Partie IM Markus Wach gehörig zu, dem Tiroler in Diensten des SC Fürstenfeld gelang es jedoch in ein Endspiel mit ungleichfarbigen Läufern bei einem Minusbauern zu flüchten. Resultat: remis. In der zweiten Runde wurde der Pamhagener Bozinovic chancenlos überfahren. In der dritten Partie gegen Österreichs Nummer zwei bei den Amazonen, Anna-Christina Kopinits führte  in einer französischen Verteidigung zähes Positionsspiel schließlich zum Erfolg.

Leider präsentierten sich nicht alle Spieler des SK Hohenems in der selben Topform. Matthias Burschowsky, der nach etlichen Jahren wieder einmal zu einem Bundesligaeinsatz kam fand in der von ihm gewählten Sizilianischen Verteidigung nicht die richte Fortsetzung, spielte zu passiv und verlor einen Bauern. Sein technisch versierter Gegner IM Günter Kuba hielt Matthias weiter unter Druck und servierte sicher aus.

Am Samstag stieß Michael Bezold zum Team womit auch wir zumindest einen Großmeister in unseren Reihen hatten. Michael hatte aber im letzen halben Jahr sehr wenig Spielpraxis und so kam es, dass er in seinem Altinder den Faden verlor und der weisse Angriff nicht mehr abzuwehren war. In seiner zweiten Partie gegen GM Rainer Polzin zeigte sich Michael wieder erholt und behielt als Weissspieler bis ins Damenendspiel hinein immer ein ganz leichtes Plus. Die Partie endete remis.

Einen sehr guten Einstand im Bundesliga-Team des SK Hohenems feierte Marco Baldauf. Der junge Rosenheimer knöpfte in der ersten Partie dem israelischen Nationalspieler Victor Mikhalevski (2607) gleich ein viel beachtetes Remis ab. In der zweiten Runde gab es gegen den Pamhagener Anatol Vitouch gleich den ersten vollen Punkt in Liga 1. Und auch in der dritten Partie kämpfte Marco gut und konnte dem erfahrenen Roland Schweda mit schwarz ordentlich zusetzen. Bei ungleicher Materialverteilung wäre zum Schluß ein Remis möglich gewesen, Marco wollte jedoch mehr und mußte nach einem kurzen Black-Out leider aufgeben.

Leider gar nicht nach Wunsch lief es an diesem Wochenende Milan Novkovic und Georg Fröwis. Beide mußten die Heimreise mit leeren Händen antreten. Beide hatten je zwei Schwarz- und nur eine Weisspartie zu absolvieren, was die ohnhin nicht leichte Aufgabe noch schwerer machte. Den Verlust gegen GM Michael Roiz (ISR, ELO 2659) dürfte Milan noch leicht verschmerzt haben. Bitterer waren dann schon die Niederlagen gegen Miroslav Maslik und Thomas Likavsky. Maslik, ELO-mäßig in etwa das selbe Kaliber wie Milan selbst, schnürte Milan aus der Eröffnung heraus ein und ließ nie ein schwarzes Gegenspiel zu. Es war eine von denjenigen Partien, in denen einfach gar nichts ging. Am Sonntag, endlich mit weiss spielend, gelang Milan über lange Strecken eine sehenswerte Partie in der er für drei Bauern eine Figur opferte und auf der 7. Reihe einen gefährlichen Freibauern hatte. Bei knapper Bedenkzeit kurz vor dem 40. Zug passierten dann Ungenauigkeiten, welche es Likavsky erlaubten, die Partie zu drehen. Auch die Hoffnung auf ein Remis durch Aufbau einer Festung erfüllte sich nicht.  

Georg Fröwis spielte am ersten Tag gegen IM Andreas Schenk, den er vor einigen Monaten im Wiener Open noch überraschend schlagen konnte. Gewarnt von dieser negativen Erfahrung ging Schenk diesmal sehr präzise an die Sache heran und überspielte den jungen Vorarlberger nach und nach. In der zweiten Runde wäre ein Remis möglich gewesen, der Gegner war schon zur Zugwiederholung bereit. Georg wich ab und wollte die Möglichkeit zum vollen Punktegewinn offen halten. In der Zeitnot des Gegner spielte er einen zu riskanten Plan, der einen Bauern und bald darauf die Partie kostete. In der dritten Partie wurde er mit weiss spielend von Friedrich Volkmann klassisch und stark ausgekontert.

Fazit: mit dem einen Mannschaftspunkt der mit dem 3:3 gegen Pamhagen gewonnen wurde dürfen wir angesichts der Unform von zwei Stammspielern zufrieden sein. Mit den oberen Rängen werden wir in dieser Saison nichts zu tun haben, die ersten drei Ränge werden sich Tabellenführer Jenbach, Aufsteiger Fürstenfeld und besonders Holz Dohr und Baden unter sich ausmachen. Auch Styria Graz das mit einem entfesselten österreichschen Nationaltrainer Ribli (3 aus 3) spielte, darf zu diesem Kreis dazugerechnet werden. Hohenems behauptet nach drei Runden gerade noch den 9. Rang. Genau dieser Rang bedeutet am Ende den Klassenerhalt. Nicht anderes als am Ende der Meisterschaft diesen Rang zu behalten kann für unser Team in diesem Jahr das Ziel sein.

Die nächsten Runden 4-7 finden vom 14. bis 17. Jänner 2010 in Graz statt.

Ergebnisse und Partien auf Chess-Results.com

Und am Ende noch zur Auflösung der Preisfrage: die englische Presse taufte Lothar Emmerich und Sigi Held "the terrible twins" (die schrecklichen Zwillinge). Zwar nicht verwandt aber auf dem Fußballfeld verstanden sich die beiden blind, wie Zwillinge eben. Wenn Valery (mittleres Bild) und Dmitry (rechtes Bild) den Gegnern in der Bundesliga weiterhin so zusetzen, dann werden sie wohl bald auch die schrecklichen Zwillinge genannt werden.