
Julian Kranzl, Claudius Kofler, Noah Kreiser, Patrick und Vincent Nussbaumer, (Bild von links nach rechts) alle Schüler der dritten bzw. vierten Klasse der Volksschule Hohenems-Markt machten ihren Traum wahr: sie holten beim Bundesfinale der Schülerliga Schach den österreichischen Meistertitel. Die beste Volksschule jedes Bundeslandes durfte im Landes-Schulsportzentrum in Tschagguns zu den Titelkämpfen antreten, als Veranstalter hatte Vorarlberg zwei Startplätze. Hohenems war der Konkurrenz deutlich überlegen, wurden doch alle 9 Wettkämpfe klar gewonnen, fünf mal hieß es 4:0 und vier mal stand ein 3:1 zu Buche. Mit Patrick Nussbaumer (9 aus 9) und Noah Kreiser (8 aus 8) wurde zudem die Brettwertung auf Brett 2 und 4 mit 100 % gewonnen. Julian Kranzl holte in der Brettwertung auf Brett 3 die Silbermedaille mit 8 aus 9, punktegleich mit dem Sieger. Auch Vincent Nussbaumer war in der Brettwertung in den Medaillenrängen, er holte mit 7 aus 9 Bronze.
Jeder große Erfolg hat einmal mit dem ersten Schritt begonnen. Im Jahre 2007 hatte unser Nachwuchstrainer Helmut Cyris die geniale Idee, an der Volksschule Hohenems-Markt Schachunterricht anzubieten. Dies wurde von Direktor Christof Jagg gerne unterstützt. Nun nach drei Jahren haben ihm seine Schützlinge wohl das schönste Geschenk gemacht, das ein Trainer erwarten kann.
Jetzt dürfen wir es ja verraten, klar haben wir auf einen Platz unter den ersten drei gehofft. Die Überraschung ist aber doch perfekt, denn dass die Jungs derart konzentriert, aber dennoch locker und leicht der Konkurrenz von Anfang an auf und davon ziehen würden, damit hat natürlich niemand rechnen können. Vom Himmel gefallen ist der Erfolg aber beileibe nicht.
Vincent und Patrick Nussbaumer haben vor 4 Jahren (Patrick als Fünfjähriger) Bekanntschaft mit dem königlichen Spiel gemacht. Im ersten Jahr haben sich die Buben unter Trainer Helmut Cyris fleissig mit der Stappen-Methode die Grundlagen des Spiels erarbeitet. Im zweiten Jahr haben die beiden dann schon an der Vorarlberger Rallye-Turnierserie teilgenommen. Bald folgte die erste Teilnahme an einer Vorarlberger Meisterschaft bei U8 und U10. Heuer spielten sowohl Patrick (U10) als auch Vincent (U12) bei den österreichischen
Staatsmeisterschaften und erzielten guten Mittelfeldplätze.
Julian und Noah kamen über das Training an der Volksschule zum Schach. Nachdem der Unterricht in der Schule in der Saison 2008/09 aus organisatorischen Gründen nicht mehr fortgesetzt werden konnte, kamen die beiden in den Klub wo Helmut auf dem zuvor gelernten aufbauen konnte. In der Saison 2008/09 haben die beiden schon die meisten Rallye-Turniere und die Schacholympiade gespielt. Beide konnten sich dabei für die sehr stark besetzte U10-Landesmeisterschaft qualifizieren und belegten dort die Plätze 5 und 7.
Auch im gerade laufenden Volksbankturnier haben beide schon schöne Erfolge erzielen können. Was das Training von Patrick und Vincent betrifft, spielt Helene Mira schon seit zwei Jahren eine ganz wichtige Rolle, bei allen vieren haben auch andere Trainer in Einzel- oder Gruppentraining immer wieder entscheidende Impulse gegeben.
Claudius Kofler stammt ebenfalls aus der Gruppe mit Noah und Julian, die über die Volksschule vor einem Jahr in den Klub gekommen sind. Er hat sich jedoch auf Grund vielfältiger Interessen nicht ganz so intensiv dem Training gewidmet und nur gelegentlich einmal ein Rallyeturnier gespielt. Beim Schach wie überall sonst auch heisst es "Übung macht den Meister". Kinder mit viel Spielpraxis haben eben dann doch einen gewissen Vorsprung. Claudius war aber ein wichtiges Mitglied des Team, auch wenn er nur einmal zum Einsatz kam und ansonsten mit den Kollegen mitfieberte. In einem dreitägigen Turnier kann viel passieren, ein Migräne- oder Fieberanfall, Nasenbluten, alles mögliche kann schnell zu einem Ausfall führen. (was in Tschagguns beim Kärntner Team auch passierte) Wäre in einem solchen Fall kein Ersatzspieler zur Stelle, würde ein auf diese Art geschwächtes Rumpfteam schnell an Boden verlieren. Seine Kollegen bekamen durch Claudius' solidarische Unterstützung als Ersatzspieler auch die Möglichkeit, auf die Brettpreise zu spielen. Alle vier haben dann auch eine Einzelmedaille geholt.
Einen entscheidenden Einfluß auf den so erfolgreichen Turnierverlauf hatten sicher auch die Turnierbedingungen. Die Organisatoren Reinhard Forster und Gerhard Ludescher haben alle Register gezogen, damit sich Kinder, Betreuer und Eltern rundweg wohl in Tschagguns fühlen konnten. Ein Eröffnungsprogramm mit Musikstücken und Kunstradeinlagen von Schülern aus der Götzner Musikhauptschule signalisierte allen Teilnehmern schon vor Turnierbeginn die hohe Wertschätzung und unterstrich eindrucksvoll, dass es sich um einen ganz
wichtigen Bewerb handelte. Sogar der für Schulschach zuständige Amtsdirektor Helmut Csura als Vertreter des Bundesministeriums für Unterricht, Kunst und Kultur fand sich zur Eröffnung in Tschagguns ein. Turniersaal, Unterbringung, Essen und Freizeitmöglichkeiten ließen ebenfalls keine Wünsche offen.
Zum Turnierverlauf:
wohl nicht zufällig war die VS Dornbirn-Haselstauden Gegner in der ersten Runde. Es ist üblich, dass Mannschaften aus dem selben Bundesland in der ersten Runde gepaart werden. eim Landesfinale hatten die von Julia Novkovic betreuten Haselstauder nur zwei Punkte Rückstand auf die VS Hohenems, entsprechend groß war der Respekt. Das 3:1 gleich in der ersten Runde
konnte dann auch als erfolgreicher Turnierauftakt und gutes Omen gewertet werden. In Runde zwei pausierte dann Noah Kreiser womit auch Claudius bei dieser Staatsmeisterschaft zumindest einmal zum Einsatz kam. Dass die Partie (auch wegen der zu großen Nervosität) verloren ging, machte aber nichts, denn Vincent, Patrick und Noah gewannen und so lautete das Endergebnis gegen die
VS Albertus Magnus Wien ebenfalls 3:1. Danach folgten am ersten Wettkampftag noch weitere drei Runden gegen die VS Hitzendorf (Steiermark), VS Völkermarkt (Kärnten) und die VS Eichgraben (Niederösterreich). Die Mannschaft der VS Hohenems-Markt war dabei nicht mehr zu bremsen und gewann alle drei Begegnungen mit 4:0.
Die Zwischenbilanz ließ dann schon keine Zweifel mehr aufkommen, dass Hohenems um dem Titel ein ganz wichtiges Wort mitsprechen würde. Jetzt galt es, die Coolness zu behalten und mit voller Konzentration die nächsten Runden zu bestreiten. Das gelang Betreuerin und Spielermutter Maria Nussbaumer offensichtlich ausgezeichnet. In Runde 6 wartete der härteste Verfolger, die VS Mattersburg (Burgenland) und allen war klar, dass der Weg zum Titel weit offen stünde, wenn auch diese Hürde genommen wird. Die Kinder der VS Mattersburg haben mit dem Kinder- und Jugendschachklub Schachritter Mattersburg und Trainer Gerald Berghöfer ein ideales Umfeld und galten daher für dieses Turnier als Mitfavorit. Nacheinander kamen dann aber die Erfolgsmeldungen. Noah, Julian und Patrick stellten auf 3:0, ehe Vincent gegen Staatsmeisterschaftsteilnehmer Lukas Gludovatz nach hartem Kampf die Segel streichen mußte. Nach diesem neuerlichen, sechsten Erfolg in Folge wuchs der Vorsprung auf 5,5 Punkte an.
Mit jedem Sieg stieg zudem noch die Selbstsicherheit, die restlichen Wettkämpfe des zweiten Tages wurden dann auch souverän gewonnen. Zunächst gab es ein weiteres 4:0 gegen die VS Eugendorf-Kraiwiesen (Salzburg) und auch gegen die VS Alberndorf (Oberösterreich) gab es für die Gegner nichts zu holen. Damit stand der Turniersieg bereits eine Runde vor Schluß fest, es durfte vorgefeiert werden.
Zur letzten Partie gegen die VS Landeck-Perjen und die anschließende Siegerehrung reiste denn auch Volsschuldirektor Christof Jagg und als besonderer Fan seiner Buben Dr. Christoph Nussbaumer an. Helmut Cyris ließ sich ohnehin keinen Wettkampf entgehen. Und auch in dieser letzten Runde (Bild), obwohl es um nichts mehr ging, hatten die vier noch nicht genug und wollten besonders vor den Augen des Direktors ihr Können demonstrieren. Mit 3:1 wurde schließlich auch der letzte Gegner geschlagen. Landeck hatte mit Anna-Lena Schnegg die Spielerin mit der höchsten ELO-Zahl (1660) in ihren Reihen. Die Tiroler hatten im VS-Bundesfinale vor einem Jahr in allerdings etwas stärkerer Aufstellung noch den Titel geholt.
Spieler, Betreuer und Fans durften dann die anschließende Siegerehrung genießen. Die Preisgestaltung war sehr großzügig. Alle 10 Teams durften einen Pokal mit nach Hause nehmen. Medaillen und Urkunden gab es für die ersten drei der Brettwertung sowie eine CD mit Fotos für alle. Für die Volksschule Hohenems-Markt, den SK Hohenems und auch die Vorarlberger Schachbewegung brachte das Bundesfinale der Volksschulen einen Riesenerfolg. Nach den guten Leistungen in den Einzelstaatsmeisterschaften (Vorarlberg war in der Medaillenwertung das drittbeste Bundesland) bewies dieses Turnier der Jüngsten einmal mehr, dass in Vorarlberg hervorragende Nachwuchsarbeit geleistet wird.

