Hohenems hat zu Beginn seiner 22. Saison im Schachoberhaus seine Bewährungsprobe bestanden. Gleich in Runde 1 ist das nochmals verstärkte Team aus Jenbach der Gegner. Die beinahe 900 ELO Punkte Unterschied zum absoluten Titelfavoriten aus Tirol (auf allen 6 Brettern) sind kaum spürbar, Hohenems ist nahe an einer Sensation. Dem 15 jährigen FM Fabian Bänziger gelingt mit einem Sieg gegen GM David Shengelia der große Wurf. Es ist sein erster Sieg gegen einen Großmeister. Das sollte sich im Verlauf der weiteren Wettkämpfe noch auswirken. GM Sascha Martinovic, IM Thomas Henrichs, erstmals in der Bundesliga für Hohenems im Einsatz, und IM Valery Atlas gelingen gegen ihre weit höhre eingeschätzte Gegner Remis. Die Partien von GM Falko Bindrich und IM Georg Fröwis waren lange ebenfalls in Ordnung. Taktische Motive sorgten dann aber doch für die knappe 3,5 : 2,5 Entscheidung zu Gunsten der Jenbacher.

Die Mannschaft zeigte allerdings keinerlei Nachwirkungen von dieser Startniederlage. In Runde zwei wurde in einem harten Ringen St. Veit etwas glücklich 3,5 : 2,5 nieder gerungen. Das Quäntchen Glück, das gegen Jenbach vielleicht fehlte, war gegen St. Veit auf unserer Seite.

Nach der zweiten Niederlage durfte sich Georg Fröwis in Runde 3 eine Pause gönnen. IM Marco Baldauf sprang in die Bresche. Marco schlug vor einer Woche in der deutschen Bundesliga GM Loek van Wely und ist auf dem besten Weg zum Großmeister. Aktuell fehlt noch eine Norm und 3 ELO-Punkte. Wulkaprodersdorf, das sich in den letzten Jahren zu einer Art Angstgegner entwicklt hat, hatte diesmal keine Chance. FM Bänziger brachte das Team früh in Führung. Die guten weißen Stellungen von Sascha Martinovic und Thomas Henrichs wurden nach Kampf ebenfalls gewonnen, alle Schwarzpartien remisiert. 4,5 : 1,5.

In Runde 4 wartete mit Vorjahresmeister Feffernitz ein Team gegen das für Hohenems bisher kein Kraut gewachen war. Schon beim abendlichen Team-Essen lag jedoch ein spürbarer Optimismus in der Luft, der wie sich im Verlauf des sonntäglichen Wettkampfs herausstellte nicht unbegründet war. Feffernitz verlor nach 22 Runden erstmals wieder. Für Hohenems war es überhaupt der erste Sieg gegen die Kärntner seit deren Aufstieg im Jahr 2011. Ein einziges 3:3 stand bisher in sechs Begegnungen zu Buche. Der Ausfall von Andreas Diermair hat die Aufgabe etwas erleichtert, der Sieg fiel mit 4,5 : 1,5 deutlich aus. Fabian Bänziger sackte seinen vierten Punkt an dem Wochenende ein und ist damit der einzige Bundesligaspieler mit diesem maximalen Score. Eine sehr starke Spielführung in einem Katalaner sicherte Falko Bindrich einen Sieg gegen Luca Lenic. Die slowenische Nummer 1 hat damit in 7 Saisonen und 66 Partien auf Brett 1 erst seine fünfte Partie verloren. Schließlich rang Marco  Baldauf IM Peter Schreiner nieder und kam damit seinem Ziel, den GM Titel zu erobern ein Stück näher. Sascha, Thomas und Georg remisierten sicher.

Drei Siege und eine Niederlage bedeuten den guten fünften Zwischenrang. Die Meisterschaft wird vom 18. - 21. Jänner 2018 in Grieskirchen fortgesetzt. Das Programm wird kaum leichter. In Runde fünf kommt es zum Vorarlberger Derby Götzis - Hohenems. Götzis hat sich mit 3 Matchpunkten in der Südstadt stark präsentiert. Absam, Salzburg und Ottakring werden zu weiteren schweren Prüfsteinen. Die Liga ist stark wie schon lange nicht mehr. Lediglich Pamhagen sorgt mit einer provokant schwachen Aufstellung bisher für Unmut bei den Spitzenteams. Dass die Burgenländer durchaus mehr drauf hätten zeigen sie, indem ihre besseren Leute zeitgleich in der 2. Bundesliga Ost spielen. Bild: Hohenems - Feffernitz mit GM Falko Bindrich auf Brett 1 (rechts)

1. Bundesliga 2017/18