Diese unterstützenden Firmen sowie das Land Vorarlberg, die Stadt Hohenems und die Gemeinde Klaus machten die WM Teilnahme von Benjamin Kienböck möglich. Vielen herzlichen Dank!

Bereits gestern haben die

Schachweltmeisterschaften der Kadetten (Mädchen und Buben U8 / U10 /U12) begonnen. Nebst Benjamin (Klasse U10) sind zwei weitere Kinder aus Vorarlberg mit von der Partie: Aleyna Altinisik vom SK Dornbirn (U8) und Leopold Wagner (U10) vom SK Wolfurt. Leopold hat allerdings vor zwei Jahren Verband gewechselt und spielt jetzt für Deutschland. In Runde 1 spielten die beiden als Tischnachbarn. Leopold erreichte als Nummer 9 des 151 Teilnehmer umfassenden U10-Feldes immerhin ein Remis, während sich Benjamin dem starken US-Amerikaner Jason Wang (Nummer 8) beugen musste. Ebenfalls eine Niederlage zum Start gab es für Aleyna gegen die Amerikanerin Kally Wen. Alles kein Beinbruch, denn weitere 10 Runden warten auf die Kinder bis zum 30. Oktober. Die Partien unserer U10 Teilenhmer waren gestern in der LIVE Übertragung von chess24.com

Weltmeisterschaften 2016 Open U10

Weltmeisterschaften 2016 Girls U8

Runde 1, 19. Oktober 2016

Jason Wang, USA (1999) - Benjamin Kienböck, AUT (1478) 1 - 0

Der junge Amerikaner gehört zum erweiterten Favoritenkreis dieser U10 Weltmeisterschaft. Benjamin schafft es die Partie bis zum 18. Zug offen zu halten, wenn gleich sich sein Gegner einen kleinen dauerhaften Vorteil sichern kann. Dann findet Benjamin zwei, drei Mal nicht die beste Fortsetzung und Wang baut seinen kleinen Vorteil zu einer gewinnbringenden Stellung aus. Die schlechtere Bauernstruktur und ein schwacher schwarzer Läufer gegen einen weißen Riesenspringer entscheiden.

 

 

 

 

 

 

Runde 2, 20. Oktober 2016

Benjamin Kienböck, AUT (1478) - Ethan James Webber, RSA (0)   1/2 - 1/2

Erstes Remis für Benjamin bei dieser WM gegen den Südafrikaner Ethan James Webber. Es war wichtig, zunächst einmal mit einem zählbaren Resultat bei dieser WM anzukommen. Das hat Benjamin in dieser ohne große Höhepunkte verlaufenen Partie geschafft. Die Partie ging recht zügig in ein Endspiel, nachdem keiner der Kontrahenten sich im Mittelspiel einen Vorteil sichern konnte. Benjamin hat die Lage auf dem Brett jederzeit sicher kontolliert und hätte im 15. Zug anstatt in das Remisendspiel abzuwickeln mit Dc3 die Damen auf dem Brett behalten können, bei deutlichem Vorteil.

 

 

 

 

 

Runde 3, 21. Oktober 2016

Davit Gotsiridze, GEO (1193) - Benjamin Kienböck, AUT (1478) 1 - 0

Zum einen ist zu dieser Partie der dritten Runde zu sagen, dass die ELO-Zahlen der jungen Georgier mit Vorsicht zu genießen sind. Zum anderen ist das ganze einfach schief gelaufen. So wie bei der Bundesliga in Mattersburg. Hier wie da, es war nicht der Tag der Hohenemser. Solche Tage gibt es, es werden wieder bessere kommen. Damit ist fast alles gesagt.

Weiß eröffnet sehr ungewöhnlich und hat eigentlich schon nach vier Zügen die leicht schlechtere Stellung. Den kleinen Vorteil zu nutzen ist allerdings alles andere als einfach. Benjamin gerät eher in eine schlechtere Stellung verteidigt allerding lange zäh. Es gelingt einfach nicht den unangenehmen Druck abzuschütteln und sukzessive wird der weiße Vorteil größer. Kurz vor dem 40. Zug erfolgt die Aufgabe.

Durchatmen ist angesagt und Ruhe bewahren.

 

 

 

Runde 4, 22. Oktober

Benjamin Kienböck,  AUT (1478) - Adib Arcadan LIB (0) 1 - 0 

Heute gelang Benjamin in Batumi der erste Sieg bei diesen Weltmeisterschaften. Damit schaut die Sache schon deutlich besser aus. Zwischenbilanz nach 4 Runden: 1,5 Punkte, 1 Sieg, ein Unentschieden, 2 Niederlagen. Die Partie verlief ähnlich wie die gestrige, nur mit umgekehrten Vorzeichen. Diesmal war es Benjamin, der das Geschehen mit weiß von Beginn an diktierte. Der ständige Druck führte schließlich im 25. Zug zum entscheidenden Fehler seines Gegners aus dem Libanon. Das Endspiel Dame gegen Turm und Springer war nicht zu halten, da Benjamin noch einen entscheidenden Freibauern hatte. In der fünften Runde trifft Benjamin auf einen weiteren Georgier.

 

 

 

 

 

 

Runde 5, 23. Oktober

Luka Tsulaia, GEO (0) - Benjamin Kienböck,  AUT (1478) 0 - 1

Lukas heutiger Gegner aus Georgien konnte die Partie bis zum 14. Zug offen halten, dann verliert er aber rasch den Faden. Schnell ist eine Figur weg und kurz darauf gibt Luka die völlig hoffnungslose Stellung auf. Benjamin hat damit nach 5 Runden die 50 % Marke erreicht, die am Ende sicher ein sehr schooner Erfolg wäre. In Runde 6 bekommt es Benjamin mit dem Chinesen He Yichen (1698) zu tun, er muss abermals mit den schwarzen Steinen spielen. Da wartet jetzt eine schwere Aufgabe. Leopold Wagner (SK Wolfurt) liegt nach  Runden ebenfalls bei 2,5 Punkten. Aleyna Altinisik (GU8) hat in Runde 4 ihren ersten Punkt erobert.

 

 

 

 

Runde 6, 24. Oktober

He Yichen, (CHN) 1698 - Benjamin Kienböck,  AUT (1478) 1 - 0

Heute entwickelte sich zunächst eine ruhige Partie in der Benjamin mit Schwarz nach ca. 20 Zügen noch eine in etwa ausgeglichene Stellung hat. Ein Problem allerdings hatte er, der weißfeldrige schwarze Läufer neigte zur Schwäche, während sein weißer Kollege ein klassischer "starker Läufer" war. Zwei weitere Details spielten in der entscheidenden Phase der Partie eine Rolle. Da war einmal der doch etwas luftige schwarze König (der chinesische Spieler stand bombensicher mit seinem Monarchen) und ein nicht entwickelter schwarzer Damenturm. Genau im richtigen Moment öffnet der Chinese das Zentrum, die weißen Figuren fallen über den schutzlosen schwarzen König her. Es droht Matt in 4 Zügen und Benjamin muss aufgeben. Morgen ist erst einmal ein Ruhetag bevor es am Mittwoch mit Runde 7 weiter geht.

 

Runde 7, 26. Oktober

 

Benjamin Kienböck,  AUT (1478) - Selvan Sanjay, USA (0) 1/2 - 1/2

 

Benjamins US-amerrikanischer Gegner wählte in dieser Partie die französische Verteidigung. Im Mittelspiel gelang es Sanjay sich aus zunächst gedrückter Stellung zu befreien und die klar bessere Stellung zu erlangen. Sanjay geht mit klarem Materialvorteil ins Endspiel und es schien lange nur eine Frage der Zeit, bis Benjamin die Partie aufgeben muss. Er wartete jedoch geduldig auf seine Chance und die kam nicht nur, Benjamin nutzte sie auch durch einen vermeintlichen Pattwitz. Der Turm verfolgt den König seit einigen Zügen und kann wegen Patt nicht geschlagen werden. Offenbar sah dere US-Amerikaner hier keine vernünftige Fortsetzung mehr. Doch stimmt das? Der weisse König kann doch auf die Grundreihe und bei einem weiteren Schach kann dann der Turm dazwischen ziehen. Danach folgt Turm schlägt Bauer b3 und weiss hat immer noch das bessere Endspiel. Doch halt, wenn der König die Grundreihe betritt kann Benjamin ja von der Grundreihe her Schach geben, der Turm kann dort ebensowenig geschlagen werden. Gibt es ein Entrinnen aus der ewigen Verfolgung? Benjamins Gegner war nach Td3 wohl zu geschockt, versuchte erst gar nicht mehr weiter zu spielen und willigte ins Remis ein.

 

 

 

 

 

Runde 8, 27. Oktober

Benjamin Kienböck,  AUT (1478) - Giorgi Khvadagiani, GEO (0) 1 - 0

Dritter Sieg bei diesen Weltmeisterschaften für Benjamin. Er hat daher nach 8 Partien eine ausgeglichene Bilanz vorzuweisen: den 3 Siegen stehen 2 Remis und 3 Niederlagen gegenüber.

Heute konnte Benjamin in einer Italienischen Partie durch gutes Zentrumsspiel bis zum 22. Zug ziemlichen Druck aufbauen und die deutlich bessere Stellung erreichen. Im 23. Zug gewinnt er durch einen taktischen Einschlag einen Bauern und wickelt gleichzeitig in ein praktisch gewonnenes Turmendspiel ab. Die Gegenwehr ist ab diesem Zeitpunkt nur noch schwach, die Realisierung des Gewinns ist keine allzuschwierige technische Angelegenheit mehr. Benjamin hat bei dieser WM übrigens eine sehr effektive Doppelbetreuung: vor Ort kommen die Tipps und die Vorbereitung von Bundesjugendtrainer Sigi Baumegger, über Skype steht Benjamin aber auch mit Guntram Gärtner seinem Klubtrainer in Verbindung. Guntram Gärtner ist bis jetzt von den Leistungen seines Schützlings auch sehr angetan, will gar eine Spielverbesserung gegenüber der EM in Prag vom August erkennen.

Morgen spielt Benjamin mit den schwarzen Steinen gegen den starken Franzosen Timothe Razafindratsima (1896). Unmittelbarer Tischnachbar wird übrigens Leopold Wagner (SK Wolfurt) sein, der nach 8 Runden ebenfalls bei 50% hält.

 

Runde 9, 28. Oktober

Timothe Razafindratsima, FRA (1896)  -  Benjamin Kienböck,  AUT (1478) 1 - 0

Benjamin erreicht in einer Italienischen Partie mit Schwarz nach 14 Zügen eine ausgeglichene Stellung. Nach dem Schlagen des weißfeldrigen Läufers auf e6 passiert ein positioneller Fehler, der den weiteren Partieverlauf nachhaltig beeinträchtigt. Anstatt mit dem Bauern f7 zurückzuschlagen, wäre Dxe6 viel besser gewesen. Das schwarze Zentrum mit dem doppelten e Bauern bleibt von nun an labil und anfällig. 20 Züge später fällt der e6 Bauer, die Stellung ist zu diesem Zeitpunkt bereits verloren. Fazit: ein für U10 Spieler kleiner und unscheinbarer positioneller Fehler reicht auf diesem Niveau aus, die Partie zu verlieren. Das ist eben der Unterschied zu Wettkämpfen in heimatlichen Gefilden, zum Beispiel der A-Klasse der LMM. Ziemlich sicher wäre der Fehler gegen einen etwas schwächeren Gegner noch nicht entscheidend gewesen. Der heutige Gegner bei den Weltmeisterschaften hat aber nicht mehr locker gelassen und den Fehler konsequent ausgenutzt. Für die Schulung des Positionsgefühls sind solche Partien, auch wenn sie verloren gehen (eigentlich besonders dann) unheimlich wertvoll.

 

 

 

 

 

Runde 10, 29. Oktober

Benjamin Kienböck,  AUT (1478) - Ramil Ahmatov, AZE (1238) 0 - 1

Heute war Benjamin erstmals bei dieser Weltmeisterschaft richtig enttäuscht über die unnötige Niederlage, vielleicht noch mehr über den Partieverlauf. Ein richtig grober Fehler ist in den ersten 9 Runden kein einziger passiert, heute war es aber soweit. Über weite Strecken der Partie, bis zum 24. Zug war alles unter Kontrolle, Einige Zeit, so zwischen Zug 12 und 17 stand Benjamin sogar klar besser. Im 25. Zug passiert es dann, Benjamin übersieht dass sein c-Bauer gefesselt ist und stellt eine Figur ein. Das ist schon Großmeistern passiert, kein Grund den Kopf hängen zu lassen. Über 11 Runden ist eben auch einmal eine Partie dabei, die man lieber schnell vergisst.

Die 50 % Marke ist nun nicht mehr erreichbar. In der letzten Runde ist Schadensbegrenzung angesagt. Leopold Wagner hat die letzten beiden Runden gewonnen, liegt nun bei 6 Punkten und hat die Chance noch recht weit in der Tabelle vorzurücken. Aleyna (MU8) hat die 10. Runde verloren und ist in der letzten Runde spielfrei.

 

 

 

 

 

Runde 11, 30. Oktober

Iraj Latrukar, FIN (1043)  -  Benjamin Kienböck,  AUT (1478) 0 - 1

Benjamin gewinnt zum Abschluss dieser Weltmeisterschaften gegen den Finnen Iraj Laturkar. Er übernimmt nach einem Fehler seines Gegners im 10. Zug klar das Kommando und zieht das Ganze bis zum Matt im 29. Zug durch. Benjamin gelang es aus der Eröffnung heraus mit der Ulvestad-Varainte (5. ... b7-b5) die Pläne seines Gegners in einer Preußischen Partie zu durchkreutzen. Weiß versuchte nach 1. e4 e5, 2. Sf3 Sc6, 3. Lc4 Sf6 mit 4. Sg5 sehr früh eine Attacke zu reiten. Aber gerade auf diesen Zug haben sich Bejamin und sein Trainer Guntram Gartner gut vorbereitet.

Damit endet die Weltmeisterschaft für Benjamin versöhnlich. Mit 5 Punkten aus 11 Partien wurde die 50 % Marke nur knapp verfehlt. Weltmeister OU10 wurde der Russe Ilya Makoveev mit 9 Punkten. Wenn man die Partien auf den Spitzenbrettern auf chess24.com verfolgt hat ist man sehr beeindruckt von den Leistungen der Unter-10-Jährigen. Wer im Schach an die Weltspitze will muss schon in ganz jungen Jahren sehr hart und konsequent arbeiten, abgesehen davon, dass natürlich auch eine ordentliche Portion Talent vorausgesetzt werden muss. Das entscheidende ist aber die Arbeit mit dem Trainer und auch das Selbststudium. Die besten der Welt kommen derzeit nicht aus Westeuropa. Die Topnationen beim Schachnachwuchs sind Russland, Indien, China, die USA und teilweise Länder wie Vietnam, Mongolei, Iran.